kalter wind im englischen hochmoor – sturmhöhe am theater oberhausen

Freitag mittag, ein eisiger Februarwind fegt die Oberhausener Fußgängerzone noch leerer als sonst schon und scheint beinahe ein Vorgeschmack sein zu wollen auf die unwirtlichen Wetterverhältnisse in Wuthering Heights. Die Menschen hier sind allerdings von einer grundsympathischen Bodenständigkeit und ruhrpottlegendär herzlich. Reihesieben war auf Reisen und hat Ex-Studentin Sina Martens besucht, die in Lily Sykes Adaption des Brontë-Klassikers auf der Bühne steht.

Out on the wiley, windy moors
Wed roll and fall in green.
You had a temper like my jealousy:
Too hot, too greedy.
Kate Bush, Wuthering Heights

Liebe, Verrat, Wahnsinn, Leidenschaft, Rache: An großen Gefühlen fährt der Roman so ziemlich alles auf und die britische Regisseurin geht den Sturmhöhe-Stoff – die happyendfreie und tragikreiche Geschichte um die Geschwister Hindley und Catherine und das Kuckuckskind Heathcliff – ganz von der atmosphärischen Seite her an:

Sturmhöhe am Theater Oberhausen. Foto © Birgit Hupfeld

Sturmhöhe am Theater Oberhausen. Foto © Birgit Hupfeld

Licht und Schatten, eine Bühnenschräge, ein wenig Erde hier, ein bißchen Nebel und Regen da und einen meist düsteren Bühnenprospekt – mehr braucht Sykes nicht, um die geheimnisumwitterte, unheilsschwangere Stimmung des Romanes sehr schön greifbar werden zu lassen.

Die Musik – teils live am Cembalo gespielt – ist ganz wunderbar, eigen und antreibend. Allerdings setzt sie die Maßstäbe gleich hoch an und verspricht am Ende doch mehr, als die Inszenierung einlösen kann. Denn trotz der schönen Bilder hängen Spiel und Spieler zunächst allzu fest im allzuengen Korsett des Romanes. Es wird ausgespielt, aufgeschrieben, erläutert und nocheinmal gesagt was eigentlich so schön schweben könnte.

Von Anfang an begeistert Henry Meyer, dem man seinen leichtfertigen, herrlich rotzigen, dann aufbrausend verzweifelten Hindley sogleich abnimmt und es macht eine Menge Spaß, Sina Martens dabei zuzuschauen, wie sie sich immer wieder kleine Freiräume erspielt: Ihre hochkomische France haucht eindeutig zu früh ihren Bühnenatem aus! Glücklicherweise darf sie nach der Pause als Isabella wiederauferstehen und eindrücklich von der komischen zur tragischen Gestalt werden.

Riches I hold in light esteem
And love I laugh to scorn
And lust of fame was but a dream
That vanished with the morn
Emily Brontë, The Old Stoic

Je mehr sich im zweiten Teil das Bühnengeschehen von der Vorlage befreit, desto mehr spielt sich das Ensemble frei und umso besser wirkt alles zusammen. Die so gegensätzlichen Orte Wuthering Heights und Thrustcross Grange rücken immer näher, aus der Gleichzeitigkeit auf der Bühne lösen sich die einzelnen, intensiver und ein bißchen irrealer werdenden Szenen … Der Abend endet in einem starken Bild, wenn die Zeit aufgehoben scheint und die Kinder Catherine und Heathcliff wieder unbeschwert drachensteigenlassend durch ihre alter(en) Egos geistern.


» Sturmhöhe, Regie Lily Sykes, Theater Oberhausen, wieder am 22. Februar, 4. und 7. März 2015