la belle dame sans regret – barbara trommer beschenkt sich und uns zum runden geburtstag

Barbara Trommer hat gestern ihren 70. Geburtstag (und gleichzeitig das 25. Academixer-Bühnenjubiläum) gefeiert. Und weil sie eine Durch-und-durch-Schauspielerin ist (43 Jahre lang stand sie auf der Schauspielhausbühne), macht sie das natürlich nicht im Stillen. Sondern hat sich und ihrem Publikum einen Liederabend geschenkt.

Barbara Trommer (c) Academixer

Barbara Trommer © AcademixerSo hieß es dann gestern und folgerichtig im ausverkauften Mixer-Keller „Mit 70 hat man noch Träume“.  Wann auch sonst, wenn nicht jetzt? Und alle war’n ’se da:  Freunde und Schauspielkollegen wie Wolfgang Engel, Frank Sieckel, Ute Loeck, Thomas Dehler, Berndt Stübner, Ellen Hellwig, Andreas Keller, Dieter Bellmann … und erlebten einen ganz feinen, sehr persönlichen Abend.

ich bin hier der Clown
doch du hast daran deinen Teil.
Wie könnt ich mich trau’n,
was wär ich ohne dich
wenn du nicht diese Sehnsucht hättest
tief in dir da steckt ja auch ein Clown.

Neben ihren Lieblingsliedern – Gundermann ist darunter, Jürgen Walter und Marlene Dietrichs Wenn ich mir was wünschen dürfte –  erzählte „die Trommern“. Zum Beispiel von ihrer musikalischen Familie – von der Großmutter, die am Abwasch schlüpfrige Lieder sang und für die Klein-Barbara bei jeder passenden Gelegenheit „Oma hupp ma“ zum besten geben musste, oder vom Vater, dem sie als Schauspielschülerin mit Nachtleben das frühmorgendliche Arien-Schmettern verbot.

Oder von ihrer Lieblingsrolle auf der Bühne – nein, nicht Maria Stuart, sondern die saftige gelbe Birne in Tankret Dorsts „Ameley, der Biber und der König auf dem Dach“ – dem 1997er Weihnachtsstück am Schauspielhaus. Die Rolle, die sie immer wollte und nie spielen durfte, gibt’s dann live und beherzt obendrauf: Die Witwe Helene Iwánowna Pópow aus Tchechows Der Bär.  Härrlisch! Würde der Sachse sagen.

Mit 70 hat man noch Träume (c) Academixer

Mit 70 hat man noch Träume (c) Academixer

Nicht nur die Grande Dame selbst, auch ihre Begleitung ist formidabel: Pianist Enrico Wirth spielt umwerfend Klavier und man kann ihn – verkleidet mit roter Langhaarperücke – auch durchaus mal singen lassen. Und der langjährige Kollege und Freund Martin Reik bringt endlich den Whisky und die Zigaretten mit auf die Bühne, gibt den Gutbesitzer im Liebeswahn genauso wie den melancholischen Sohn, wünscht allen eine Barbara und besingt selbige wahlweise als Tramp oder als La Belle Dame sans Regrets.

Viele Lach- und ein paar sehr gerührte Tränen am Ende eines Abends, der neben einem Geburtstag auch das Künstlersein an sich und die Kunst als (Über)Lebensmittel feiert und: Blumen über Blumen. Und sicher noch eine lange Nacht in der Academixer-Kellerkneipe. Herzlichen Glückwunsch, Barbara!


» Mit 70 hat man noch Träume
Kabarett Academixer. Mit Barbara Trommer und Martin Reik. Piano: Enrico Wirth.
Noch einmal am 1. März 2017