#schöne neue spielzeit II: auswärts-spiele

Es geht wieder los! Wir haben die theaterlose Zeit entgegen anderslautender Befürchtungen mal wieder überstanden und freuen uns umso mehr auf den anbrechenden, hopefully goldenen Theaterherbst, welcher nach Hannover, Wien, Berlin Berlin Berlin und Mülheim führt zu Inszenierungen von Robert Borgmann, Alex Eisenach, Martin Laberenz, Philipp Preuss, Gordon Kämmerer, Sascha Hawemann und Jürgen Kruse.

Am Anfang ist … Hannover

Schon fast traditionell eröffnet reihesiebenmitte die Saison am Schauspiel Hannover. Dort will die neukonzipierte Spielstätte Cumberland unter Hausregisseur Alexander Eisenach ganz nach oben und das gleich mit der ganzen Stadt:

Die ehemalige Cumberlandsche Galerie (mit dem wunderbarsten Theatetreppenhaus of the world) wird umgebaut und öffnet am 1. September mit den ersten beiden Folgen der Theaterserie » Eine Stadt will nach oben. Lose am ebenfalls nach oben wollenden Mann Hans Falladas angelehnt, erzählen fünf Regisseure in jeweils zwei Folgen à 45 Minuten die Geschichte eines jungen Mannes, der vom Dorf in die Stadt Hannover zieht und unter Schmugglern, Schiebern und zwielichtigen Geschäftsleuten den Weg an die Spitze der Gesellschaft sucht.

Die ersten beiden Folgen inszeniert Hausherr Alex Eisenach, es spielen u.a. Jonas Steglich, Sarah Franke, Hagen Oechel, Andreas Schlager und Maximilian Grünewald. Der Serienstab geht dann weiter an Gordon Kämmerer (Oktober), Martin Laberenz (November) und Lucia Bihler (Januar).

Bühnenbild Cumberland © Andreas Alexander Straßer

Das Bühnenbild von Andreas Alexander Straßer ist gleichzeitig eine Dauerinstallation in Cumberland.

In » Cumberland wird es noch einige andere Formate geben, unter anderem einen Late-Night-Talk, der live mitgeschnitten und im hannoveraner Lokalfernsehen gezeigt wird. Als Letterman – oder vielleicht doch eher als Klaas Heufer-Umlauf – von Hannover auch hier im Einsatz: Jonas Steglich. Und wir bleiben auch noch einen Moment am Schauspiel Hannover und gucken auf die große Bühne: Hier bringt der Herr Laberenz am 21. Oktober John Osbornes » Entertainer raus und Sascha Hawemann inszeniert Anfang Dezember Ayad Akhtars Erfolgsstück » Geächtet.


Wenn man immer überall hinkönnte, wo man hinwollte, wären wir am 9. September Premierengäste bei Robert Borgmann am Burgtheater Wien. Der inszeniert dort » paradies fluten, den ersten Teil von Thomas Köcks Klimatrilogie, mit dem der Autor den Kleist-Förderpreis gewann – das Stück, in dem selbst die Regieanweisungen wie Kriegsgeräusche zu lesen sind, verschränkt das Desaster des Kolonialismus mit Familienszenen aus der westeuropäischen Mittelschicht der90er Jahre zu einem großen Tohuwabohu der kommenden Gemeinschaft. Uff.

paradies.fluten © Georg Soulek/Burgtheater

paradies.fluten © Georg Soulek/Burgtheater

In Leipzig flutet diese „Verirrte Sinfonie“ übrigens im Mai die Bühne der Diskothek.


Berlin, Berlin, Berlin!

Alles neu macht dieser Theaterherbst und das vor allem Berlin. Am Berliner Ensemble hat der Herr Peymann nach 17 Jahren die Koffer gepackt. Der neue Chef Oliver Reese (bis eben noch Schauspiel Frankfurt) ist schon fleißig » am Auf- und Umräumen und hat schon jetzt einen kleinen Online-Award für die feinste Ensemble-(Selbst)-Vorstellung im Netz verdient.

Dankenswerterweise bringt er dazu auch ein paar Schauspieler mit, für die man sonst den wesentlich längeren Weg an den Main in Kauf nehmen musste: Sina Martens wird auf der Bühne stehen und Oliver Kraushaar, aber auch „ältere“ Bekannte wie Constanze Becker und Aljoscha Stadelmann sind dabei und mit Felix Rech und Sascha Nathan zwei Frankfurter „Entdeckungen“ der letzten Spielzeiten. Großes Eröffnungswochenende ab dem 21. September 2017. Im Oktober inszeniert hier Alex Eisenach eine eigene Crime Noir und Christian Kuchenbuch spielt mit.  » Die Entführung Europas, Premiere am 21.10.

Auch das Deutsche Theater wird immer mehr zum Spiel-Ort der Wahl für Ex-Leipziger Lieblingsschausspieler. Zu Edgar Eckert, Benjamin Lillie, Timo Weißschnur, Anja Schneider und Linda Pöppel gesellen sich – quasi als Schwaben-Import – Birgit Unterweger und Manuel Harder. Los geht es hier in den letzten beiden Septemberwochen mit Inszenierungen von Christopher Rüping und Dušan David Pařízek. Und, wie es ausschaut, hat es der Herr Khuon tatsächlich geschafft, Jürgen Kruse in die Hauptstadt zu locken: Am 3. Dezember hat in den Kammerspielen in seiner Co-Regie Camus‘ »  Missverständnis Premiere.

Und dann wäre da ja noch die Volksbühne unter Chris Dercon. Na, schauen wir mal.


Philipp Preuss inszeniert im Herbst am Theater an der Ruhr eine Alfred-Jarry/Elfriede Jelinek-Verschränkung: » König Ubu / Am Königweg. Premiere ist am 18. November in Mülheim. In Leipzig müssen wir uns bis zur Wiederaufnahme einer Preuss-Inszenierung derweil noch bis Jahresende gedulden.


Ab Dezember geht es für das Schauspiel Dortmund von der Ausweichspielstätte Megastore zurück ins Haus. Die Wiedereröffnung wird mit der ersten Premiere der Saison gefeiert » Biedermann und die Brandstifter / Fahrenheit 451 in der Regie von Gordon Kämmerer. Und dann hätten wir als letzten Schlag im Jahr Zwosiebzehn und ebenfalls am Schauspiel Dortmund noch einen Sascha-Hawemann-Abend. Einen groß-kleinen » Kirschgarten gibt es da oder wie das Theater schreibt – das große Ensemblestück, hautnah im Studio – Premiere ist drei Tage vor Schluss; am 29. Dezember.

Kommt gut in den Theaterherbst! Und wer hier eventuell Sebastian Hartmann oder den ein oder anderen anderen Protagonisten vermisst, dem sei versprochen, auch 2018 gibt’s ne Menge Theater ;).

Und » hier lest ihr, was uns im Herbst am Schauspiel Leipzig erwartet.