zwischen theater, studium und tv – ferdinand lehmann kommt in der neuen weissensee-staffel ziemlich groß raus

Am Dienstag startet im Ersten die neue Staffel der Stasi-Familien-Serie Weissensee. Und einer, der da sozusagen zum festen Inventar gehört und in den sechs neuen Folgen eine wichtige Rolle hat, ist Ferdinand Lehmann. Gerade-Noch-Student an der HMT und Mitglied des Schauspielstudios in Leipzig. Wir verabreden uns zum Chat-Interview mit einem etwas gestressten Jungschauspieler ;)

Roman Kupfer in Weissensee © ARD/Frederic Batier

Als Roman Kupfer in Weissensee © ARD/Frederic Batier

reihesiebenmitte Zeit läuft?
Ferdinand Lehmann Halbe Stunde, ja? Ich hab um 17 Uhr schon wieder Umbesetzungsprobe …

Kein Problem, dann beeilen wir uns. Erstmal ein bisschen Aufwärmen, den Mann.

reihe7  Probebühne oder Filmset?
Ferdi Uh, ich verbringe die meiste Zeit grade auf der Probebühne – für die Abwechslung wäre Set, am besten draußen, auch mal wieder schön!

reihe7  Sachsen oder Schwaben ?
Ferdi Berlin!

Fein! Spontan und ehrlich! Dann schiebt er aber gleich noch ein na ich vermiss Leipzig schon hinterher. Wir fragen nicht von ungefähr: Der Berliner ;-) ist noch Student in Leipzig aber seit Herbst auch schon vielbeschäftigtes Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart.

reihe7  Noch kein Abschluss aber schon das 1. Engagment, das ist eher ungewöhnlich, oder?
Ferdi Wir haben an der Schule das Prinzip, dass man nach 2 Jahren Hochschule ans Theater geht. Dadurch lernt man Leute kennen und dann kommt so das eine zum andern und so bin ich hier gelandet. Und im Sommer kommt dann ja auch der Abschluss. Durch den Praxisbezug rutscht man halt schneller rein.

Charmant tiefgestapelt. Armin Petras hat nach seiner Leipziger Kruso-Inszenierung, in der die Studenten einen wichtigen Part hatten, Ferdinand und seine Kommilitonin Nina Siewert für die Saison 2017/18 direkt nach Stuttgart verpflichtet. Aktuell steht Ferdinand da in fünf Produktionen auf der Bühne.

reihe7 Was probst du denn gerade?
Ferdi  „Vor solchen wie uns haben uns die Eltern immer gewarnt“ von Tanja Aljivar, eine deutsche Erstaufführung in der Regie von Peter Sanyo. Am 3. Juni ist Premiere!

In "Das 1. Evangelium" am Schauspiel Stuttgart © JU

Super-Lehmann in „Das 1. Evangelium“ am Schauspiel Stuttgart © JU

So viel zum Theater. Die Zeit läuft!  Dann wollen wir mal zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen kommen. Im Ersten läuft seit 2009 die Serie Weissensee über eine Ostberliner Stasi-Familie. Ferdi gehört seit 2011 zum Ensemble – unter anderem an der Seite von Uwe Kockisch, Ruth Reinecke und Florian Lukas.

reihe7 Wie kamst du an die Serienrolle?
Ferdi Ich war in einer Agentur für Kinder und Jugendliche. Dann kam die Castingeinladung und schwupp – auf einmal ist schon die 4. Staffel!

reihe7 Du spielst den Filmsohn von Jörg Hartmann und Anna Loos – was ist das für’n Typ?
Ferdi Bisher ist der eher so ein Einzelgänger, ohne Freunde, fast schon ein bisschen abgeschottet. Und auch wenn die Familie immer da ist, hat dann aber doch jeder mit seinen eigenen Problemen zu tun. Da kann man auch mal die falschen Leute kennenlernen …
reihe7  Eine Nazi-Clique …
Ferdi  Lassen wir uns überraschen!

Nee, ein bisschen was musst du uns schon verraten. In Staffel vier findet sich die Weissensee-Familie Kupfer nach dem Mauerfall im neuen Deutschland wieder und Roman Kupfer rutscht – eher so versehentlich und nicht zuletzt der Liebe wegen – in eine Nazi-Schläger-Truppe rein …

reihe7  Was fasziniert ihn da so?
Ferdi  Es geht weniger um die politische Haltung, als um eine Zugehörigkeit. Zu sehen, was dahintersteckt und mit welchen Menschen man da eigentlich verkehrt, das kann dauern.
reihe7  Roman ist auf der Suche …?
Ferdi  Nach Anerkennung und Freundschaften. Nach sich selber. Das kennen wir, vermute ich alle, vor allem aus jugendlichen Jahren. Aber das hört nie auf, denk ich. Und wenn man sich  – wie der Roman – noch verliebt dazu, dann kann es sein, dass man seine Familie nicht mehr sieht, dass man rebelliert. Da kommen auch Schmerz und Trauer von früheren Ereignissen hoch. Der sieht rot – zum Reflektieren ist da keine Zeit.

© ARD/Julia von Vietinghoff

In der Nazi-Gang – Das geht bestimmt nicht gut aus! © ARD/Julia von Vietinghoff

Als Selber-Wendekind fragt man sich, ob „die jungen Leute“ heute sich überhaupt vorstellen können, was damals los war: Punks, Nazis, Clubs und auf die Fresse – quasi ein fast rechtsfreier Raum. Also mal noch ein bisschen weiterbohren an der Stelle. Noch zehn Minuten …

reihe7 Die neue Staffel spielt 1990 – da warst du noch gar nicht auf der Welt. Wie geht man da ran?
Ferdi Viel viel viel reden! Da meine Eltern aus dem Osten sind und ich in Pankow geboren wurde, kommt mir manches gar nicht so fremd vor. So lang ist das ja auch noch nicht her. Es sind dann eher kleinere Sachen, wie zum Beispiel, dass man mir erklären musste, wie man ein Telefon mit Wählscheibe benutzt. Ich hab immer in die andere Richtung gedreht, da kam ich mir dann schon doof vor …

Okay, eher der pragmatische Zugang. Wir können es uns bildlich vorstellen und hören Ferdi förmlich in Stuttgart vorm Laptop kichern. Dann bleiben wir auch mal pragmatisch bei der Filmarbeit.

reihe7 Da sind ja schon einige hochkarätige Kollegen mit am Set. Wir outen uns mal, öhm, als Jörg Hartmann Fans. Geht einem da als Jungschauspieler nicht auch die Muffe?
Ferdi Da ich die nun schon so lange kenne, und die mich, seit ich ein kleiner Knirps bin, hat es eher was von „lange nicht gesehen“. Es gibt tatsächlich keine Situation, wo man irgendwas beweisen müsste oder so. Das sind alles fantastische Kollegen, von denen ich viel gelernt habe und weswegen ich unter anderem auch angefangen habe, das Ganze zu studieren.

reihe7 Was bringt einem die Schauspielschule bei, was man bei der Filmarbeit nicht lernt?
Ferdi Das Studium ist unglaublich theaterbezogen. Man bekommt ein Haufen Handwerkszeug mit, das man dann überall benutzen kann. Der Rucksack wird einem quasi vollgemacht. Dann wird man auf den Weg geschickt und guckt, was man so gebrauchen kann. Ein paar Sachen lässt man dann auch einfach liegen. Es gibt ja auch Coachings und grad beim Film tolle Autodidakten…

In der Studioinszenierung "Birdland" am Schauspiel Leipzig© Rolf Arnold

In der Studioinszenierung „Birdland“ am Schauspiel Leipzig© Rolf Arnold

 

Apropos Weg … Die letzte Minute läuft …

reihe7 Im Sommer machst du deinen Abschluss – und dann?
Ferdi Erst mal diese Masterarbeit schreiben und dann Stuttgart verlassen. Ich geh ans Theater Bremen. Im Sommer werd ich wohl noch was drehen und mal in den Urlaub fahren. Und dann schau ich, wie es weitergeht und wo es mich so hintreibt.
reihe7  Hast du schon ein Masterarbeitsthema?
Ferdi Ja, aber das hab ich grad vergessen!

Die halbe Stunde ist um. Der ist wirklich herrlich entspannt bei der Sache und macht bestimmt seinen Weg. Wir drücken die Daumen für die nächste Premiere und gucken ab Dienstag erstmal Weissensee. Mal sehen, was das so wird mit dem Kupfer-Sohn.


» Weissensee  – sechs neue Folgen täglich ab 8. Mai 2018, jeweils in drei Doppelfolgen um 20:15 Uhr im Ersten

» Ferdinand Lehmann am Schauspiel Stuttgart u.a. gerade zu sehen in Amerika als Karl Roßmann, in Kay Voges Inszenierung Das 1. Evangelium, in Lulu und Arsen und Spitzenhäubchen

» Das Leipziger Schauspielstudio verabschiedet sich zum Spielzeitende mit einem letzten Studio-Abend in der Diskothek. Freitag, 8. Juni, 22 Uhr.