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bericht aus baalin: geschichten, die man versteht, sind nur schlecht erzählt

Es war zu erwarten, dass der Ansturm auf die Karten enorm sein würde. Da kann man von Glück reden, wenn man einen Theaterenthusiasten wie Werner Mattke kennt. Der fährt dann mitten in der Nacht nach Berlin, ist zwei Uhr morgens der erste an der Kasse und bekommt natürlich acht Stunden später auch Karten. Hier nun ein Bericht von der Derniere des Castorfschen Baal.

und sie, was ist mit ihnen? leo skverers geschlossene gesellschaft

Montag, viertel vor acht und Trauben junger Menschen vor der Baustelle, längst nicht alle bekommen Karten. Drinnen feiert Leo Skverers dritter (und leider letzter) Baustellenabend Premiere. Nach dem anregend-sperrigen Das Missverständnis und der wunderbaren Else hat der nun Satres Geschlossene Gesellschaft in Szene gesetzt. Als szenisches Projekt. Was im besten Falle lustvolles Ausprobieren und Freiheit des Künstlers meint und leider zu oft mach-mal-darf-bloß-nüscht-kosten. In diesem Falle vielleicht beides? Auf jeden Fall war es: groß.

ausgetrieben? die bösen geister verlassen frankfurt

Frankfurt am Main im April. Gerade ist die Vorstellung der Dämonen vorbei und der von Leipziger Verhältnissen nicht verwöhnte Zuschauer denkt noch bei sich: Wow, ziemlich viel Publikum, junges Publikum in diesem riesigen Frankfurter Zuschauerraum. Und das an einem Montagabend. Bei einem solchen langen, anstrengendem Stück. Bei dem fast schon sommerlichen Frühlingswetter da draußen.

nicht nur, was ihr wollt – die shakespearetage 2015 in berlin

Nachdem die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft beschlossen hatte, ihre diesjährige Frühjahrstagung in Berlin durchzuführen, konnte man auf ein reichhaltiges Theaterprogramm hoffen. Letztendlich wurden an vier Abenden je drei Inszenierungen im Deutschen Theater und im Berliner Ensemble gezeigt, also sogar zuviel, um alles sehen zu können.

es ist die letzte nacht, die sie haben …

Genets Stück setzt ein, wenn das Ding eigentlich schon gelaufen ist. Die Geisel tot, Lösegeld nicht in Sicht und die Polizei kurz davor, das Luxushotel zu stürmen, in dem sich die Bande La Rafale verschanzt hat. Es bleibt nicht mehr viel Zeit und schon gar kein Ausweg für die sieben Ganoven, es bleibt nur die Hoffnung auf ein wenig Ruhm, auf dass die „Bourgeois“ am nächsten Tage beim Petit Dejeuner mit leisem Schaudern die Schlagzeilen über die Wahnsinnstat der Gangster lesen mögen.