Die Eröffnung der euro-scene 2018

alain platel requiem pour l.

Zur Eröffnung der 28. euro-scene war ein alter Bekannter nach Leipzig eingeladen – Alain Platel mit seiner Compagnie „les ballets C de la B“ aus Gent. Diesmal gab es eine Bearbeitung von Mozarts Requiem unter dem Titel „Requiem pour L.“

„Requiem pour L.“ © Chris Van der Burght

„Requiem pour L.“ © Chris Van der Burght

Der Komponist Fabrizio Cassol, der schon wiederholt mit Platel zusammengearbeitet hat, hat Mozarts Requiem neu interpretiert. Er interessiert sich für außereuropäische Musik und hat nun Mozarts Musik vor allem mit afrikanischen Rhythmen übermalt. Auf der Bühne stehen Sänger und Musiker aus dem Kongo, aus Südafrika, Brasilien und Europa. Das Bühnenbild besteht aus mehreren Reihen großer schwarzer Blöcke, auf einigen liegen kleine Kieselsteine, werden teilweise auch erst im Laufe des Abends dort hingelegt, was an einen jüdischen Friedhof erinnert. Zugleich lässt dieser Bühnenaufbau aber auch an das Berliner Holocaust-Mahnmal denken.

Nach und nach betreten die Musiker die Bühne. Ihre Musik, ihr Gesang und Tanz klingen für mitteleuropäische Ohren vielleicht nicht nach einer Totenmesse. Aber man sollte nicht vergessen: Trauerrituale und –zeremonien in anderen Ländern können sich sehr von dem unterscheiden, was wir von einer Beerdigung oder einer Trauerfeier erwarten. Für manchen Zuschauer wird diese Musik in einem fast unerträglichen Kontrast zu dem stehen, was wir auf der Hinterwand der Bühne sehen. Es ist ein Video, das das Sterben einer Frau zeigt. Es ist jene L., der dieses Requiem gewidmet ist. Sie hat Platel und seinem Team erlaubt, das Ende ihres Lebens zu filmen.

Man schaut in das Gesicht einer müde wirkenden, leidenden Frau, nur ab und an öffnet sie noch die Augen oder bewegt die Lippen. Sie ist von anderen Menschen umgeben, die aber immer nur schemenhaft durchs Bild gleiten. Es sind die letzten Momente des Lebens von L., am Ende blicken wir in das Gesicht einer Gestorbenen. Das berührt tief, geht an Grenzen und darüber hinaus, ist ein verstörender Tabubruch. Es ist eine radikale Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer, die im voll besetzten Schauspielhaus mit viel Beifall bedacht wird.