Probenbesuch | Adams Äpfel

alles auf adam – die cammerspiele proben fürs sommertheater

Es ist ziemlich warm unterm Dach auf der Cammerspiele-Bühne an diesem Dienstagabend. Aber auch ohne Sommerhitze stimmt die Betriebstemperatur. Es proben ein Baum, ein Herd und sieben Spieler für die diesjährige Sommertheater-Produktion „Adams Äpfel“, die am 17. Juli 2019 – wie gewohnt in der Galerie KUB – Premiere feiert. Wir dürfen zugucken.

Adams Äpfel Probe © Danilo Riedl

Fabian Trott, Ralf Donis, Falko Köpp, Christian Feist, Paul Becker, Dietmar Voigt und Karoline Günst © Danilo Riedl

Gleich zu Beginn werden wir mit einem Lied begrüßt. Mit welchem, wird hier nicht verraten, aber die Spieler sind alle musikalisch on top und Kristin Nicolais Einstudierung bringt direkt den ersten Gänsehautmoment. Danach macht sich ein wenig Anspannung breit: Allererster Durchlauf des ersten Teiles! Klappen die Auf- und Abgänge? Die Übergänge zwischen den Szenen? Regisseur Danilo Riedl ist hochkonzentriert bei der Sache, immer wieder wechselt er die Position, mal um das nächste Musikstück einzuspielen, mal um die vorgestellten Zuschauerperspektiven auf das Bühnengeschehen nachzuempfinden. Denn wo draußen später das Publikum sitzt, stehen hier noch Wände, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht.

Riedl ist kein Unbekannter an den Cammerspielen, hier hat er zuletzt Braschs „Mercedes“ und das hochgelobte „Blondi oder die sexuellen Neurosen der Eva Braun“ inszeniert. (Wir müssen zerknirscht zugeben, beide Abende verpasst zu haben und geloben Besserung). Seit über zehn Jahren arbeitet er als freier Regisseur und Schauspieler in Leipzig. Am Ende des Durchlaufs schaut er ganz zufrieden aus, klärt geduldig offene Fragen, lobt hier, hat da eine Anmerkung und meint lässig „Das hätten wir, jetzt ist Zeit für den Feinschliff“.

Zwölf Tage bleiben dafür bis zur Premiere am 17. Juli. Mit auf der Sommertheaterbühne steht dann auch einer, dem man eher aus dem pop-kult-kulturellen Souterrain kennt: Ralf Donis hat sich, der Legende nach waren ein paar schöngeistige Getränke im Spiel, leicht überzeugen lassen, die Rolle des Gunnar zu übernehmen. Bereut hat er’s bislang nicht, sagt der Leipziger DJ, Entertainer und Horrorfilmexperte in einer Probenpause, auch wenn durch den Probenbeginn um zehn Uhr morgens der Biorhythmus vor ganz neue Herausforderungen gestellt wird.

Adams Äpfel © Mim Schneider

Ob Adams Äpfel … schmecken? © Mathias Schäfer

Der Gunnar ist im Stück ein Nicht-wirklich-Ex-Alkoholiker, Nicht-ganz-Ex-Kleptomane und daneben großer Esser und Küchenchef der Resozialisierungstruppe. Kluge Fragen haben andere, uns interessiert natürlich: Hat Donis selbst schon mal gebacken? „Nein!“, sagt der, „Ich habe tatsächlich noch NIE gebacken und wenn ich es täte, würden mir die Zutaten sehr leid tun!“ Er sei ein klassischer Kuchen-beim-Bäcker-Holer, seit er denken kann. Und, heikle Frage: schon mal geklaut? Da muss er überlegen. „Doch“, gibt er dann etwas ungern zu, „Im Backstage in ’nem Club, in dem wir mit meiner Band einst spielten, stand in der Müllecke eine verstaubte Kiste mit Vinylsingles…“. Relativiert aber gleich: „Ich schwöre, ich habe nur „Good Times“ von Chic mitgenommen“ … ;-).

Mit ihm auf der Bühne stehen die „echten“ Schauspieler: Paul Becker (einigen vielleicht aus dem Theatrium ein Begriff) als Adam, das Urgestein Dietmar Voigt als Poul, Fabian Trott als Khalid und an der Gitarre, Christian Feist (Widerstand der Dinge) als Adams Nazikumpel und schließlich, schau- und Bratsche spielend, Karoline Günst als Sarah. Den Pfarrer Ivan gibt Falko Köpp und wir können schon jetzt sagen, das wird großes (Sommer)Kino.

Mit großer Kreativität, viel Freude und Energie entsteht hier mitnichten ein Film-Nachspiel, sondern ein ganz eigener und durchaus eigenwilliger, musikhaltiger und tiefschwarzhumoriger Abend. Und der könnte noch ein wenig finanzielle Unterstützung gebrauchen, zumal gerade eine schon eingeplante Kulturförderung nicht zustande kam.


Das Crowdfunding läuft noch bis 14. Juli: » startnext.com/adamsaepfel.

Jeder 5-Euro zählt ;). Mehr geht natürlich immer. Gibt auch Geschenke. Für schlappe 300 Euro z.B. eine Nacht einen Abend mit Donis.

Wir sind sehr gespannt, sagen ganz herzlich Dankeschön fürs vorab Reinschauendürfen und schon mal toi toi toi!


» Adams Äpfel
Sommertheater der Cammerspiele Leipzig. Nach dem gleichnamigen Film von Anders Thomas Jensen.
Premiere: 17. Juli 2019 weitere Termine: 18. bis 20. & 24. bis 27. + 31. Juli sowie 1. bis 3. August im Innenhof der galerie KUB (Kantstraße 18 , 04275 Leipzig)