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vor uns die sintflut – die mülheimer titanic will nicht untergehen

Im Mülheimer Theater an der Ruhr spielen die Enzensbörger fröhlich zum Untergang auf, während die Welt sich rückwärts immer weiter dreht und helle Spots die dunkelsten Ecken des Seins ausleuchten. Angerichtet hat diese düster-kluge Hans-Magnus-Enzensberger-Karussellfahrt der Leipziger Hausregisseur Philipp Preuss.

die metaphern wegfegen – dostojewski als entfesseltes und fesselndes ensembletheaterfest

Da rennen sie. Von der Bühnenmitte in breiter Front an die Rampe, bremsen abrupt, um gleich zurück zu hasten. Und noch einmal und wieder. In Dostojewskis Dämonen ist jeder angetrieben von den eigenen bösen Geistern, und beinahe keiner weiß, wohin eigentlich in den sich rasch wandelnden Zeiten. Dieses Irren und Suchen ist das Grundmotiv in Sascha Hawemanns Inszenierung, der den 1000-Seiten-Wälzer so größenwahnsinnig wie streitbar und genial auf die Dortmunder Schauspielbühne gestellt hat.

woher wohin warum – gordon kämmerer feiert in der disko eine rumänisch-globale party

Die Übersetzerin des berühmtesten rumänischen Autors ist ein Mann … Ziemlich früh am Abend fällt dieser Satz. Einer, über den man stolpert, der ahnen lässt, dass da noch was lauert hinter den Worten. Einige solcher Widerhaken hat Alexandra Pâzgu da in ihren Text gestreut. An denen kann man durchaus schön hängenbleiben – so richtig weh tut das allerdings meistens nicht. Aber erstmal zurück auf Anfang.

keiner ist eine insel – robert borgmanns bunt-giftiger hoeullebecq am be

Eine Insel ist möglich, heißt es irgendwann im Houellebecq’schen Text. Eine Insel der Liebe in unserem vergifteten Weltenwahnsinn. Robert Borgmann und Team treten den Gegenbeweis an und machen aus dem Roman in Berlin eine popartbunte wie tiefschwarze Obduktion unserer heutigen Gesellschaft und ihrer Zukunftsträume.

nachts sind alle irre und einsam – famos-neurotische familienaufstellung am theatrium

Das ist die Stadt, sagen sie. Im Wald davor, da steht das Irrenhaus, sagen sie. In sepiafarbenes Licht getaucht stehen die Bewohner dieser beautiful city auf der Bühne des Grünauer theatrium: ein jeder fest an seinem Platz und wirken doch erst einmal wie aus der Zeit gefallen. Dass die fünfzehn Figuren des generationsübergreifenden Theaterprojektes ganz und gar in unser Heute gehören, wird dann aber ziemlich schnell klar.