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dann wollen wir erstmal einen plan machen – in hawemanns väter und söhne sucht die alte welt nach ihrem verlorenen ort

Auf dem bühnenbreiten Podest im Hintergrund sitzen die Spieler vor gestapelten Koffern wie in der Wartehalle des Lebens. Vorn bringt der alte Diener die Lichterketten links und rechts vom Bühnenportal ein letztes Mal zum Leuchten. Den Rest der Bühne taucht da schon die neue Zeit in grelles Licht, die die heimkehrenden Söhne in die Welt der Väter mitbringen.

waschhausratten und schweigefüchse – alex eisenachs letzter aufschlag in hannover

„Das ist kein Zufall, das ist gut gebaut“, heißt es in einer Szene, an der ein Requisit genau an der Stelle und in dem Moment auftaucht, wo es gebraucht wird. Genauso verhält es sich mit dem ganzen Abend: unglaublich klug verwebt er seinen Schiller mit Hauptmann und Heiner Müller zu einer deutschen Tragödie und lässt Gedanken, Bilder, Erkenntnisse und Fragen auf den Punkt genau an den richtigen Stellen aufblitzen. Er wechselt so behände Zeiten und Räume, dass es einen schwindelt. Und Sprachen, auch wenn es sich dabei immer um Deutsch handelt.

erinnern kann ich mich nicht – palmetshofers unverheiratete als kammer- und sprachspiel in der diskothek

Die Frau, die hier in der dunklen Bühnenmitte auf einem Stuhl sitzt, ist jung. Aber auch sehr alt. Von einzelnen Spots wird sie in warmes Licht getaucht, beide Füße sind fest nebeneinander auf den Boden gepresst, als würden sie ihre verlorenen Wurzeln suchen. Marie Rathscheck ist die alte-junge Unverheiratete in Ewald Palmetshofers gleichnamigen Stück, das Ilario Rascher für zwei Aufführungen als ziemlich intensives Kammer-Sprachspiel und konsequente Innensicht auf die Diskotheksbühne gebracht hat.

brennt lichterloh! abschied am schauspiel hannover

Das erste Mal waren wir 2012 am Schauspiel Hannover, als Hagen Oechel die Welt seiner Eltern in sich auferstehen ließ – seine erste Bühnentat als neues Ensemblemitglied. Nun endet nach 10 Jahren mit der Intendanz Lars Ole Walburgs schon so etwas wie eine Ära – geprägt vor allem von einem einmaligen, ideenreichen, übermütigen, spielfreudigen Ensemble mit einer ungeheuren Energie, mit Mut, Neugier und einer großen Liebe für das Theater und für einander.

14 jahr im kalten regen der langeweile – ostermeiers hedda gabler an der schaubühne

Interessant wäre bei diesem Abend ja, zu sehen, wie Spieler (und Spiel) sich über die lange Zeit verändert haben. Denn Thomas Ostermeiers Hedda-Gabler-Inszenierung ist seit fast 14 Jahren im Spielplan. Leider waren wir damals nicht in der Premiere und so fehlt der Vergleich. Aber a) ist es ein recht sehenswerter Schauspielerabend und b) werden Texte with Lars Eidinger in it immer so gut geklickt ;-) – deshalb hier ein paar Worte zur Hedda, die nach all der Zeit noch recht frisch rüberkommt.

mensch oder laus? düsteres oratorium kollektiver menschheitsverbrechen

Nicht von ungefähr bedient sich der neue Sebastian-Hartmann-Abend am Dresdner Schauspielhaus der Dostojewski-Übersetzung Swetlana Geiers, die Verbrechen und Strafe heißt und nicht Schuld und Sühne. Verschiebt sich doch schon durch die Begrifflichkeit der Denk- und Spielraum vom Moralisch-Persönlichen aufs gesellschaftliche Ganze und fragt nach einer kollektiven Ethik anstatt nach individueller Schuld.