sind wir alle bruchlos glücklich?

Eigentlich sollte hier ein kleines, stolzes Textchen zum Theaterpreis des Bundes und zur Theaterjugendclubtreffeneinladung stehen. Muss warten. Wir haben LVZ gelesen. Dort blickt nämlich Dimo Rieß recht schmerzfrei zurück auf unser Leipziger Theater-Zwofuffzehn, voraus auf eine idealiter „wie am Fließband“ schnurrende Silvesterpremierenkomödie und lässt den Chef zu Wort kommen, …

… für den das Stück Der nackte Wahnsinn eine Liebeserklärung ans Theater ist (was schön ist) und der natürlich weiß, wie man als Regisseur da ran muss (was uns etwas ratlos macht):

„Die Vorgaben des Autors müssen bedient werden (…) Handwerk sei gefragt, nicht die große Kreativität“. Das macht jetzt nicht sonderlich neugierig auf den Abend, aber so what?, könnte man denken. Wenn nicht, ja wenn sich nicht das, was hier zu Frayns Komödie gesagt ist, auch über so viele andere Inszenierungen am Haus schreiben ließe (Und ja doch, es gibt sie, die funkelnden Ausnahmen).

So wundert’s aber dann auch nicht über die Maßen, dass der Hausherr sich bei den Proben vorkommt „wie am Fließband.“ Fließband? Herrgott, ihr macht doch kein Toastbrot! Und schraubt auch nicht die neue S-Klasse zusammen!

Der nackte Wahnsinn. (c) Rolf Arnold

Wenn der nackte Wahnsinn schnurrt. © Rolf Arnold

„Bruchlos“ soll sie schnuren, die Komödie. Zufrieden, bequem, satt und ruhig halte man das Publikum. Was aber ist mit einem Theater MIT Brüchen? Ideen? Fragen? Wahnsinn und Methode? Einem Theater, was Machern und Guckern auch mal „auf die Füße fallen“ darf? Mehr noch: muss. Und ins Herz!

Einem Theater, das wichtig ist für die Menschen hier, das berührt, bewegt und sich einmischt. Weil es sich nämlich sonst selbst abschafft, das Theater. Trotz aller selbstbeweihräuchernder E I N G E L A D E N S an der Fassade, trotz der achsotollen Uraufführungen (die leider so manches Mal wirken, als zeigt man sie hauptsächlich um des Uraufführungsprädikates willen und nicht weil der Text der Wahnsinn ist oder das Thema unter den Nägeln brennt.)

Fehlt das keinem? Oder nur einer handvoll Unzufriedenen, allein gegen Superduperauslastung und lang tradiertes Desinteresse? Dabei wäre eine offene Debatte über unser Theater in der Stadt so wichtig – eine Debatte über Ziele und Visionen, nicht nur über Zahlen und Strukturreformen.

Lasst uns den Arsch hochkriegen und um unser Theater streiten! Denn: das ist es wert.