clemens meyer sprengt das literaturfest münchen

Clemens Meyer kuratiert in diesem Jahr das forum:autoren des Münchener Literaturfests. Und er hat sich einiges vorgenommen! Gleich acht spektakuläre Abende plant unser Vorzeige- und Lieblings-Schriftsteller. Dafür wird auch jede Menge Leipzig nach München exportiert.

In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod

So lautet das Motto, unter dem Meyer im ehemaligen Heizkraftwerk mitten in München die radikale Moderne ausruft: fröhliche Überforderung mit einem grenzensprengenden Programm.

Mit Gästen wie Holger von Wägen oder Paule Hammer setzt Clemens Meyer auf die Verbindung der Künste: Seine acht (!) Abende sind als interaktive Performances geplant, in denen bildende Kunst eine Hauptrolle spielt. Der Initiator des Laden für Nichts, Uwe-Karsten Günther, fungiert dabei als Schnittstelle und konzipiert den temporären Festivalraum sowie einige Bühnenbilder.

Kunst als Kommunikation und als Provokation – es gibt Gespräche, Klanginstallationen, Live-Musik, eine Céline-Performance mit dem Residenztheater-Schauspieler Aurel Manthei, Franz Dobler lässt Jörg Fauser auferstehen und Clemens trifft Jonathan Meese.

Clemens Meyer (c) Literaturfest München
Clemens Meyer (c) Literaturfest München

Zusammen mit Jürgen Ploog, dem Dramaturgen Johannes Kirsten und Studenten der Otto-Falckenberg-Schule inszeniert der Herr Meyer zudem live eine Cut-up-Version von Dantons Tod: Danton oder Tod im Dschungelcamp. Wo das Ende bei Büchner hinreichend bekannt ist, ist bei Meyer ist noch offen, ob sich sein Danton überhaupt bis zum Finale im Dschungelcamp hält.

Es wird einen Filmabend mit Robert Klick geben, im Sonntagssalong im Mariandl treffen die Schriftsteller Sten Nadolny und Thomas Rosenlöcher auf Zwetschgendatschi und Eierschecke und beim Literaturlaufsteg DSDSW – Deutschland sucht den Super-Wagen passieren neun kleine Wägen mit Kunstwerken eine höchst unzuverlässige Jury, der Clemens natürlich auch angehört: Heraus kommen sollen viele Geschichten – und im besten Falle Literatur.

Am letzten Abend kommt bei einer großen Auktionsshow jegliche Kunst, die während des Festivals erschaffen wurde, unter den Hammer von Günther Meyer. Zur Musik des – nächster Leipzig-Import – Brockdorff Klang Labor.

Und nach den Veranstaltungen steigt allabendlich die Late Night Show im Laden für Nichts

… einen etwa sieben mal sieben Meter großen Kubus aus Spanplatten, der von Schraubzwingen zusammengehalten wird. Ein achttägiger temporärer Ort, der es jederfrau ermöglicht, ihre Spuren zu hinterlassen. Statements, Kritzeleien, ein Gruß an die Mutti … Ein begehbares Gästebuch des Festivals? Ein Ort mit offenem Ausgang.

Alle Termine und Tickets gibt es » im Kalender forum:autoren
Wir ziehen den Hut, wünschen gutes Gelingen und aufschlussreiche Abende und werden von zumindest einer Veranstaltung berichten.

1 Comment

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  1. 1
    Thomas Pannicke

    Vielen Centraltheaterfreunden wird sie noch in guter Erinnerung sein – die Veranstaltungsreihe „Stallgespräche“ mit Clemens Meyer. Es ging damals um große Themen wie Liebe, Sex, Tod, aber auch um speziellere Dinge wie Philatelie, Actionfilme oder Mäuse. Daß diese Reihe auf der Bühne der Münchner Kammerspiele Auferstehung feiern würde, hätte wohl damals keiner gedacht. Doch am vergangenen Sonnabend konnte man am Eingang dieses Theaters in der Münchner Maximilianstraße lesen: „Danton oder Tod im Dschungelcamp von Johannes Kirsten und Clemens Meyer“. Und auch wenn der Name Stallgespräche nicht auftauchte – was auf der Bühne passierte, erinnerte doch sehr stark an Clemens Meyers legendäre Talkshows, die unter dem Slogan „live und improvisiert“ liefen. Diesmal war die Veranstaltung Teil der vom Autor kuratierten Reihe „forum:autoren“ im Rahmen des Literaturfests München. Wie der Titel verrät ging es um Büchners Drama „Dantons Tod“, aber zugleich auch um den Begriff Revolution allgemein. Als eine Art literarische Revolution kann man vielleicht die Werke der Beat Generation bezeichnen, u.a. die von William S. Burroughs verwendete Cut-up-Technik. Burroughs selbst konnte nicht mehr eingeladen werden, aber mit Jürgen Ploog stand ein Gesprächspartner zur Verfügung, der selbst mit der Cut-Up-Technik arbeitet. Als Fachmann für Revolutionen in Politik und Gesellschaft war der Ökonom Thomas Kuczinsky angereist, der dem Theaterpublikum durch seine Beteiligung an dem Projekt „Karl Marx, Das Kapital“ der Gruppe Rimini-Protokoll bekannt wurde. Mit diesen beiden Gesprächspartnern unterhielt sich nun Clemens Meyer und die klugen, witzigen aber auch skurrilen Gespräche waren das Zentrum des Abends. Im Hintergund war derweil der englische Künstler Liam Scully damit beschäftigt, einen laufenden Film über eine mexikanische Revolution auf die Leinwand zu bannen. Und Büchners Text war auch noch da – dargeboten durch Studenten der Otto-Falckenberg-Schule. Während die anderen Abende der Reihe „forum:autoren“ im Mixed Munich Arts in einer Late-Night-Show in einem temporären „Laden für Nichts“ enden, fand die hier besprochene Veranstaltung ihren krönenden Abschluß in der Kantine der Münchner Kammerspiele.

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