ein theater-winter-vorguck nach leipzig, frankfurt, oberhausen, stuttgart und hannover

“ Alle guten Vorsätze haben etwas Verhängnisvolles. Sie werden beständig zu früh gefasst.“ … meinte der große Oscar Wilde, deshalb haben wir uns noch ein paar Tage Zeit gelassen mit dem Vorsatze, im neuen Jahr mindestens genauso oft ins Theater zu gehen wie im alten – wenn nicht gar öfter – und schauen jetzt, was die ersten Monate in Zwanzigfünfzehn so im theatralen Angebot haben.

Zuhause

Schon am kommenden Montag und Dienstag ist auf der Hinterbühne des Schauspiels Leipzig die sehr gelobte Jugendclub-Textcollage » Frozen zu sehen. Wem das zu kurzfristig ist, hat am 11. Februar noch einmal Gelegenheit.

Yves Hinrichs Jugendclub-Inszenierung FROZEN. © Rolf Arnold

Yves Hinrichs Jugendclub-Inszenierung FROZEN. © Rolf Arnold

Die Cammerspiele bringen im Januar einen Bulgakov heraus. Des Dichters letzter Roman » Der Meister und Margarita hat am 15. in der Regie von Mathilde Lehmann Premiere. Im Theater Fact fragen Bernd Gengelmann und Andrea Kurmann in schamanischem Spiel nach dem Umgang der beiden Geschlechter miteinander und der darin eingeschriebenen Verletzlichkeit. (» Die Wölfin – Wege des Instinkts, Premiere am 24. Januar).

Erste große Premiere des Jahres auf der städtischen Schauspielbühne wird am 31. Januar » Maria Stuart sein. Damit setzt Georg Schmiedleitner seinen Schiller-Zyklus fort. Es spielen unter anderen Anne Cathrin Butz, Andreas Keller, Felix Axel Preißler und Bettina Schmidt. Schon die letzte Gelegenheit, » Fasching nach dem großartigen Roman von Gerhard Fritsch mit einem ebenso großartigen Mathis Reinhardt in der Rolle des Deserteurs Felix Golub zu erleben, ist am 23. Januar (Schauspiel Leipzig, Hinterbühne). Im Anschluss daran gibt es um 22 Uhr in der Baustelle ein neues Labor: Als » Die Herren der Sommerinsel versuchen sich Donis, André Kermer, Sebastian Tessenow und Sina Martens in einer abstrusophisch-cineastische Realitätsbewältigung.

Auswärts

Sina Martens ist es auch, die unsere Auswärtsspiel-Vorschau eröffnet: Nach ihrem Gastengagement am Schauspiel Hannover in Dirk Lauckes Zu jung, zu alt, zu deutsch spielt sie nun in Lily Sykes Bühnenadaption des Emily Brontë-Romanes » Sturmhöhe am Theater Oberhausen. Premiere ist am 16. Januar.

Seid nett zu Mr. Sloane. Schauspiel Frankfurt © Birgit Hupfeld

Seid nett zu Mr. Sloane. Schauspiel Frankfurt © Birgit Hupfeld

Am Schauspiel Frankfurt gibt es die Premieren mit (Ex-)Leipziger Beteiligung gleich im Wochenrhythmus: Am 30. Januar bringt Sebastian Hartmann dort Dostojewkis » Dämonen auf die große Bühne – u.a. mit Heidi Ecks, Linda Pöppel, Manuel Harder, Christian Kuchenbuch und Musik von Apparat. Am 7. Februar hat dann in den Kammerspielen das eigentlich schon für letztes Jahr vorgesehene und krankheitsbedingt verschobene » Seid nett zu Mr. Sloane in der Regie von Jürgen Kruse Premiere, in der Rolle des Sloane wird Manuel Harder zu sehen sein.

Am selben Abend hat in Stuttgart » August: Osage County. Eine Familie Premiere. Im Kino glänzten in der George Clooney Produktion 2013 Meryl Streep, Juliette Lewis und Julia Roberts, unter den starken Frauen am Schauspiel Stuttgart sind Astrid Meyerfeldt, Rahel Ohm und Birgit Unterweger. Regie führt Stephan Kimmig. Am 28. Februar inszeniert dann Martin Laberenz sein zweites Stück im Schwabenland: Dostojewskijs » Der Idiot, im Kammertheater u.a. mit Manolo Bertling und Peter-René Lüdicke.

Am Schauspiel Hannover wird die zukünftige Leipziger Hausregisseurin Claudia Bauer (Und dann) am 14. Februar Robert Musils Debütroman » Die Verwirrungen des Zöglings Törless – auf die Bühne bringen. Mit dabei sind Jonas Steglich und Hagen Oechel.

Auswärtiges zuhause

Der Winter-Vorguck schließt mit einem Ausblick auf drei hochkarätige Gastpiele am Schauspiel Leipzig. Anfang Februar gastiert hier an zwei Abenden » Amphitryon und sein Doppelgänger, Karin Henkels rasantes, zum Theatertreffen geladenes Spiel um Identitäten vom Schauspielhaus Zürich – und auch hier ist mit Carolin Conrad ein dem Leipziger Publikum bekanntes Gesicht dabei (4. und 5. Februar). Genau einen Monat später gibt sich das Performance-Kollektiv She She Pop mit seiner Ost-West-Befragung » Schubladen die Ehre (4. und 5. März) und im April – ok, dann ist hoffentlich schon eine Weile Frühling – können wir Herbert Fritschs Oper » Ohne Titel Nr. 1 im Schauspielhaus erleben (24. und 25. April).

Herbert Fritschs OHNE TITEL NR.1 © Thomas Aurin / Volksbühne

Herbert Fritschs OHNE TITEL NR.1 © Thomas Aurin / Volksbühne