vorgeguckt: die 25. euro-scene

Mittlerweile ist es zur schönen Tradition geworden – das alljährliche Leipziger Theaterfestival euro-scene. 1991 fand die erste Ausgabe davon statt, das liegt also genau 24 Jahre zurück. Das Motto „25 Jahre – ein Fest“, mit dem in diesem Jahr geworben wird, stimmt also eigentlich nicht. Aber es soll ja ein Tanz- und Theaterfestival sein und kein Mathematikerkongress …

… also sollte man das wohl nicht zu genau nehmen. Zumal es auf jeden Fall die 25. euro-scene ist, also durchaus Grund zum Feiern besteht. Die Programmgestalter unter Führung der langjährigen Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff haben in diesem Jahr viele Künstler eingeladen, die bereits früher schon einmal mit einem Gastspiel auf der euro-scene waren. So gibt es am Eröffnungsabend ein Wiedersehen mit dem Stück Rosas danst Rosas, das bereits 1992 gezeigt wurde, nun allerdings mit jungen Tänzerinnen neu einstudiert.

Ich persönlich freue mich vor allem, dass auch die Socìetas Raffaello Sanzio und damit der Regisseur Romeo Castellucci wieder kommen wird. Von ihm konnte man im Laufe der Jahre schon einige Gastspiele sehen und stets waren es spannende, verstörende Abende. Ich erinnere mich noch gut an seine Fassung von Celines „Reise ans Ende der Nacht“. Beim anschließenden Publikumsgespräch wurde den Theaterleuten eine Nähe zu faschistischer Ideologie vorgeworfen. Aber nicht immer gab es solche Aufregung. Die Inszenierung „Über das Konzept des Angesichts von Gottes Sohn“, die in anderen europäischen Städten von Gegendemonstrationen christlicher Fundamentalisten begleitet wurde, lief hier in Leipzig sogar in der Peterskirche ohne auffällige Proteste.

»Schwanengesang D 744«

»Schwanengesang D 744«

In diesem Jahr nun kommt die italienische Truppe mit dem Stück Schwanengesang D 744. Man kann davon ausgehen, dass es kein einfacher Schubert-Liederabend werden wird. Ein ebenfalls regelmäßiger Gast der euro-scene ist Alain Platel, der im letzten Jahr mit tauberbach gastierte, einem auch zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Stück. In diesem Jahr wird En avant, marche! gezeigt und mit auf der Bühne werden auch Musiker aus Holzhausen und Liebertwolkwitz stehen.

Das Schauspiel Leipzig ist nicht nur wichtige Festival-Location, es koproduziert auch mit der euro-scene und brut Wien The Bolaño project #1: Untitled – an introduction in der Residenz. Ausgangspunkt für die Performance von Laia Fabre und Thomas Kasebacher um Gewalt, Realität und Fiktion ist der großartige Roman 2666 des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño. Am Samstag steigt die Festival-Party in der Baustelle – mit DJ Lucille du Basse und einem Konzert der Leipziger Band mjuix.

Ich will nun nicht alle Gastspiele aufzählen, die kann man im Programmheft nachlesen. Auf jeden Fall warten Anfang November interessante und spannende Tage auf alle Theaterfreunde. Der Vorverkauf läuft.


» 25. euro-scene in Leipzig
3. bis 8. November 2015
Einzeltickets und Festivalpässe im Englandladen in der Gottschedstraße, telefonisch unter 0341-215 49 35, via » Email oder per » Online-Formular