kein sonnenallee-abend: wenzel banneyer zur eröffnungspremiere am schauspiel leipzig

Am Freitagabend geht’s los. „89/90“, Peter Richters Wende-Roman, eröffnet die Spielzeit. Regie führt Claudia Bauer und in der Rolle des Ich-Erzählers: Wenzel Banneyer – vor 27 Jahren in etwa so alt wie eben der Erzähler, aber nicht in Dresden geboren, sondern tief im Westen. Hat er da überhaupt was mitbekommen? Und wie bringt man so einen Roman auf die Bühne? Wir haben uns mit dem Schauspieler zu einem sportlichen sieben-Fragen-in-acht-Minuten-Interview getroffen:

Wenzel, 1989 warst du … ? Vierzehn.

In etwa so alt wie der Protagonist des Romans. Auch nachts in Freibäder eingestiegen? Zu der Zeit ehrlich gesagt noch nicht. Bei mir war es ein bisschen langweiliger.

Wenzel Banneyer ... steig mit vierzehn noch nicht des Nachts in Freibäder ein. © Rolf Arnold

Wenzel Banneyer … stieg mit vierzehn noch nicht des Nachts in Freibäder ein. © Rolf Arnold

Die Wende – für Kids tief im Westen damals ein Thema? Ganz ehrlich gesagt – für mein Leben – ich war auch 14, ich war pubertierend – hat das keine Rolle gespielt. Wir hatten keine Verwandtschaft im Osten. Ich kannte auch niemanden, der Verwandtschaft hatte. Dann kam irgendwann ein Mädchen in die Klasse, die war aus Bitterfeld. Da hat man sich anders damit beschäftigt.

Du spielst den 15-jährigen Erzähler. Kein Problem, den jugendlichen Ton zu treffen?  Nee, weil der Peter Richter erzählt ja von der Vergangenheit. Und das machen wir auch: wir erzählen über damals – wir machen nicht: wir sind damals. Wir haben schnell gemerkt, wie es nicht funktioniert. Die Geschichten sind ja sehr kurz, fast schon Anekdoten. Und nur wenige von den Figuren sind auserzählt, die werden angerissen, dann sind sie wieder 50 Seiten lang weg. Das kann man nicht mal eben so spielen.

Probenfoto: Wenzel Banneyer & Ensemble. © Rolf Arnold

Probenfoto: Wenzel Banneyer (denkend) & Ensemble. © Rolf Arnold

Die Spielfassung entsteht während der Proben? Ja. Und das vermutlich noch bis zur Premiere! Man muss entscheiden, was ist wichtig, was kann weg, was muss doch wieder rein – erstens damit man’s versteht und zweitens, damit’s geil wird. Das ist die Arbeit, die wir in der letzten Wochen gemacht haben – aus einer riesigen Textsammlung das Wichtige rausnehmen und neu zusammensetzen und wieder anders stückeln. Dann ist ja bei dem Ding auch noch ein bisschen problematisch, dass jeder die Geschichte kennt …

… dass ihr den Leuten quasi ihre eigene Geschichte erzählt … Ich find es ja komisch, jemanden seine eigene Geschichte zu erzählen. Deshalb machen wir das auch nicht. Uns war sehr schnell klar, dass wir keinen Sonnenallee-Abend wollen. Wir versuchen, so macht das Claudia ja oft, mit Bildern, mit Assoziationen zu arbeiten. Wir sagen nicht: so war das, sondern wollen Dinge enstehen lassen, zu denen jeder selber eine Fantasie entwickeln kann. Das wäre sehr schön, wenn uns das gelingt.

Es gibt auch einen Chor … Da will ich jetzt gar nicht so viel verraten. Ja, wir haben einen sehr guten Chor und wir haben Punkmusik. Wer genau was macht, seht ihr am Freitag.

Sprachs und verschwand in der Maske.
Bis Freitag zur Premiere & toitoitoi!


» 89/90
von Peter Richter. Regie Claudia Bauer. Premiere: 16. September, Schauspiel Leipzig, Große Bühne