keine angst im schneesturm – sorokin statt tschechow

Sebastian Hartmann inszeniert gerade sein zweites Arena-Stück, den zweiten Russen seiner Trilogie. Allerdings wird das – wie gestern bekannt gegeben wurde – nicht Anton Tschechow sein, sondern der neusteste Roman des russischen Autors Vladimir Sorokin.

Vladimir Sorokin

Vladimir Sorokin. Foto: Elke Wetzig / Wikipedia

Normalerweise ruft das Theater nur an, um einen Ausfall oder eine Verschiebung zu vermelden. Nicht so gestern Abend: Der Premierenkartenbesitzerin wird mitgeteilt, dass am 22. März nicht, wie geplant, Tschechows Kurzgeschichte Angst zu sehen sein wird, sondern Sorikins Schneesturm. Die freut sich über die Aufmerksamkeit des Hauses und will ihre Karte selbstredend behalten.

Vladimir Sorokin "Schneesturm" / Kiepenheuer & Witsch

Vladimir Sorokin „Schneesturm“ / Kiepenheuer & Witsch

Der Roman begleitet den Landarzt Garin durch ein grotesk-imaginäres Russland. Jener ist unterwegs, um den Bewohnern eines Dorfes einen lebenswichtigen Impfstoff zu bringen und reist durch im Gefährt eines einfältigen Brotkutschers durch den Schneesturm. Das ungleiche Paar begegnet Zwergen und Riesen,  einer Wunderdroge und vielem mehr – eine Märchenwelt mit Ingredienzien einer Hochtechnologie-Gesellschaft.

»Was für eine herrlich skurrile Geschichte! Voller Poesie und – am Ende – Tragik.« findet der NDR, und Chastny-Korrespondent schreibt: »Hier kommt der Autor als Tschechow angebraust, lässt Puschkin links liegen und biegt auf halbem Wege zu Nabokov ab.«

Eine ausführliche Kritik bei Deutschlandradio Kultur

Aus der Bosestraße verlautet, das Centraltheater hätte sich schon länger bei Verlag und Autor bemüht, jetzt kurzfristig die Rechte zur Welt-Uraufführung erhalten und sich deshalb zur Programmänderung entschlossen. In der Skala lief schon ein Sorokin-Text: Der Tag des Opritschniks in der Regie von Mirko Borscht.

Es spielen Rosalind Baffoe, Artemis Chalkidou, Edgar Eckert, Günther Harder, Manuel Harder, Carolin Haupt, Andreas Keller, Christian Kuchenbuch, Benjamin Lillie, Linda Pöppel und Birgit Unterweger.

Klingt schräg, macht neugierig: Wir haben den Roman direkt bestellt und sind gespannt.