keine ersatzlose schließung der skala!

Von Thomas Pannicke

Ausgerechnet am 11.11.11 veröffentlichte die LVZ einen Bericht, bei dem dem Theaterfreund jedes Karnevalsgefühl vergehen konnte. Das, wovon schon seit einiger Zeit gemunkelt wird, scheint nun Realität zu werden: die Schließung der Skala. Nach der Buchmesse soll es soweit sein. Nun mag es ja stimmen, daß das Haus in der Gottschedstraße aufgrund seines maroden Zustands nicht länger genutzt werden kann, aber warum gibt es derzeit keine klaren Vorstellungen für einen Ersatz? Immerhin wurde die Nutzung der Räume der ehemaligen Schauhaus-Disco von Sebastian Hartmann schon vor einiger Zeit ins Gespräch gebracht. Sollen tatsächlich Inszenierungen wie Hunger, we are blood, Easy Rider und Droge Faust für immer vom Spielplan verschwinden? Soll das Haus einer Spielstätte verlustig gehen, aus der heraus in den letzten drei Jahren drei Inszenierungen (Juli, Im Pelz, Das fünfte Imperium) zum renommierten Festival „radikal jung“ eingeladen wurden?

Die Faktenlage ist mir auch nach Lektüre des LVZ-Artikels nicht ganz klar, aber es deutet alles darauf hin, daß seitens der Stadt kein Interesse besteht, eine Lösung des Problems anzustreben. Wenn man liest, daß Leipzig immerhin darüber nachdenkt, sich als europäische Kulturhauptstadt zu bewerben, dann aber andererseits feststellen muß, daß nicht einmal die kulturelle Grundversorgung der Bürger dauerhaft gesichert ist (denn als solche würde ich eine zweite Spielstätte des Sprechtheaters in einer Stadt der Größe Leipzigs ansehen), kann man schon ins Grübeln kommen. Es sei daran erinnert, daß nach einer Äußerung des Kulturbürgermeisters zur Zukunft der Skala vor etwa anderthalb Jahren sofort auf Initiative des Freundeskreises eine Unterschriftensammlung für den Erhalt der Skala gestartet wurde. Mir ist zwar nicht bekannt, wieviele Unterschriften damals gesammelt werden konnten, aber es dürfte eine ansehnliche Zahl gewesen sein und ich kann mir nicht vorstellen, daß die damals dokumentierte breite Zustimmung zur Skala unter der (theaterinteressierten) Bevölkerung nachgelassen hat.

Deshalb mein Aufruf ans Rathaus: Es müssen schnellstmöglich Maßnahmen eingeleitet werden, um dem Leipziger Schauspiel spätestens zur Spielzeit 2012/13 wieder eine zweite Spielstätte zu sichern, ansonsten wäre der von Nina May in der LVZ prophezeite „Abstieg in die Provinz“ wohl unvermeidlich – und das in einer Zeit, in der das Leipziger Theater in der überregionalen Presse und in den Fachblättern Theater heute und Theater der Zeit so sehr beachtet wird wie lange nicht. Auch die Aussichten, einen würdigen Nachfolger für den Intendantenposten zu bekommen, dürften sich sehr verringern.