kleiner abspielführer

No time is a good time for goodbyes … Nein, wir wollen uns gar nicht verabschieden und zugegeben, wir hatten uns von der Centralen Abspielerei ein wenig mehr versprochen: eine allerletzte Tortenschlacht in der Pension Schöller vielleicht … einen Kirschgarten gar. Aber immerhin verabschieden sich elf große Inszenierungen jetzt mit einer letzten Vorstellung von der Bühne, bevor im Centraltheater die Arena für die Leipziger Festspiele entsteht. „Ein guter Abgang ziert die Übung.“, wusste schon Schiller, und deshalb üben sich die Centraltheaterfreunde in einem kleinen Führer zum großen Abspielen – mit mehr als einer Träne im Augenwinkel.

Abgespielt 1: Die WildeWeiteWeltSchau – Do 10.01.
Abgespielt 2: Der nackte Wahnsinn – Was ihr wollt – Fr 11.01.
Abgespielt 3: Gespenster – Sa 12.01.
Abgespielt 4: Hamlet Vers. 6 – So 13.01.
Abgespielt 5: Der Trinker – Fr 18.01.
Abgespielt 6: Fanny und Alexander – Sa 19.01.
Abgespielt 7: Publikumsbeschimpfung – So 20.01.
Abgespielt 8: Grimms Märchen – Di, 22.01.
Abgespielt 9: Krieg und Frieden – Do, 24.01.
Abgespielt 10: Pulverfass – Fr, 25.01.
Abgespielt 11: mein faust – Sa, 26.01.

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Aus

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Elf

mein faust Regie: Sebastian Hartmann. Foto: Rolf Arnold

mein faust Regie: Sebastian Hartmann. Foto: Rolf Arnold

ohne worte :-)

Zehn

Pulverfass. Foto: Rolf Arnold / CT

Pulverfass. Foto: Rolf Arnold / CT

Vorletzte Abspieltat: Erst in dieser Spielzeit Premiere hatte Sascha Hawemanns letzte Inszenierung auf der Centraltheaterbühne und schon müssen wir uns auch von ihr verabschieden. Am Freitag, dem 25. Januar heißt es noch einmal „The whole world will be balkanized.“

Neun

KRIEG UND FRIEDEN. Foto: Rolf Arnold / CT

KRIEG UND FRIEDEN. Foto: Rolf Arnold / CT

Hartmann-Marathon im Abspiel-Marathon: In gut fünf Stunden Spielzeit bringt der Intendant nicht weniger als die Essenz des Tolstoischen Klassikers auf die Bühne. Mal ernst, mal lang, mal verstörend, mal albern, mal monumental. Mit Apparat live, mit starken Bildern, mit Heike Makatsch und mit der beeindruckenden Jana Zöll als kleinwüchsiger Napoleon.

Acht

Grimms Märchen (UA) Von und mit Rainald Grebe. Foto: Rolf Arnold / CT

Grimms Märchen (UA) Von und mit Rainald Grebe. Foto: Rolf Arnold / CT

Nur kurz Atem holen und schon geht es am 22. Januar weiter. Abspielen, Rainald Grebe, die Zweite. Jener darf noch einmal in den reichlich vorhandenen Untiefen der bitterbösen Grimmschen Märchen fischen und prächtige Leipziger Ommmas auf die Bühne holen.

Sieben

Die Publikumsbeschimpfung. Premiere 01.10.08 Foto: Rolf Arnold / CT

Die Publikumsbeschimpfung. Premiere 01.10.08 Foto: Rolf Arnold / CT

Wie lange wird sie wohl dauern, die letzte Vorstellung der ältesten Abspielinszenierung? Thommy Lawinky, Peter-René Lüdicke, Max Brauer und Guido Lambrecht spielen seit Oktober 2008 mit Peter Handke, Mutter Erde, Mehl, der Zeit und dem ein oder anderen ‚Opfer‘ aus dem Publikum ein furioses Spiel, dessen Schluss man sich nicht entgehen lassen sollte. Auch wenn es mal wieder länger dauert. Wobei, Herr Lawinky lässt ja meist sowieso niemanden vorzeitig von der Hinterbühne …

Sechs

Fanny und Alexander. Foto: Rolf Arnold / CT

Fanny und Alexander. Foto: Rolf Arnold / CT

Einen Tag später feiert „Fanny und Alexander“ Derniere. Nach „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ eine weitere, wichtige Hartmann-Inszenierung auf dem Weg zur sogenannten „Leipziger Handschrift“: mit großem, spannenden Improvisationsanteil, beeindruckendem Ensemble und einem berauschenden Bühnenbild von Neo Rauch.

Fünf

Der Trinker. Mit Samuel Finzi. Foto: Rolf Arnold / CT

Der Trinker. Mit Samuel Finzi. Foto: Rolf Arnold / CT

Weiter geht der Abspieltanz am Freitag, dem 18. Januar. Mit Sebastian Hartmanns Ausflug in die Untiefen der (Alkohol)sucht als Koproduktion mit dem Gorki Theater, der, besetzt mit Berliner Prominenz in Person Samuel Finzis, beim Hauptstadtpublikum für wesentlich mehr Verstörung gesorgt hat als bei uns in der ‚Provinz‘.

Vier

Centraltheater 2012 Hamlet Vers. 6 Nach William Shakespeare. Foto: Rolf Arnold / CT

Centraltheater 2012 Hamlet Vers. 6 Nach William Shakespeare. Foto: Rolf Arnold / CT

It’s a grave, it’s a motherfucking grave! Am Sonntag beendet Sascha Hawemanns Hamlet Vers. 6 den Reigen der ersten vier Dernieren. Rosenkrantz und Güldenstern stehen dann noch einmal einem in Edgar Eckerts Version recht weinerlichen und wie üblich unentschlossenen Hamlet zur Seite. Und eine ganz leise Hoffnung bleibt, dass es doch noch einmal die Originalbesetzung Carolin Haupt ist, die sich als Königin von Dänemark angesichts von Ophelias Selbstmord fragt, warum ausgerechnet sie übrigbleibt.

Drei

Gespenster Von Henrik Ibsen. Foto: Rolf Arnold / Centraltheater

Gespenster Von Henrik Ibsen. Foto: Rolf Arnold / CT

Meine Lieblings-Robert-Borgmann-Inszenierung taucht am 12. Januar das letzte Mal die CT-Hinterbühne in gespenstische Atmosphäre. Ein letztes zerstörendes Feuer und ein düsterer Abschied von Pastor Manders, Helene Alving, Osvald, Regine und Hagen Oechels klumpfüßigem Jakob Engstrand.

Zwei

Nackter Wahnsinn - Was ihr wollt. Copyright: david baltzer/bildbuehne.de. UA: 19. November 2011

Nackter Wahnsinn – Was ihr wollt. Foto: David Baltzer/bildbuehne.de. UA: 19. November 2011

Einen Tag später tobt der nackte Wahnsinn das letzte Mal über die große Bühne. Ein letztes Mal hält Manuel Harder seinen Seelenmuskelkater machenden Monolog, Edgar Eckert verspeist als Narr die letzte Gurke, Steve Binetti schickt Shakespeare auf musikalische Reise und auch Heike Stumpf MUSS das allerletzte Mal AN DIESES HAUS. Schauen wir mal, wie sich Esel und Max Brauer zur Derniere benehmen …

Eins

Die WildeWeiteWeltSchau (UA) Von und mit Rainald Grebe. Foto: Rolf Arnold / CT

Die WildeWeiteWeltSchau (UA) Von und mit Rainald Grebe. Foto: Rolf Arnold / CT

Abschied von Rainald Grebe, Teil eins. „Wir machen pscht! Sie machen pscht“ – am 10. Januar gilt es zuerst, sich von Melanie Schmidli als Schweizerin in Rainalds Kopf zu verabschieden, ein letztes Mal Anna Blomeiers Urlaubsgeschichte zu hören, Andreas Kellers Klein Häuschen und die treuen Leipziger Grebe-Statisten den Haka tanzen zu sehen.