centraltheater goes recklinghausen

Hartmann und Laberenz bei den Ruhrfestspielen 2012

Nach der Einladung der Centraltheater-Inszenierung PARIS, TEXAS im letzten Jahr gibt es in diesem Jahr gleich zwei Koproduktionen von Ruhrfestspielen und Centraltheater:

Sebastian Hartmann inszeniert Tolstois monumentales Epos KRIEG UND FRIEDEN, Premiere ist am 10. Mai 2012. Die Bühne entsteht in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Maler Tilo Baumgärtel, für die Musik sorgt dieses Mal nicht Steve Binetti, sondern Sascha Ring (Apparat).

Das gemeinsame Projekt von Wolfram Lotz und Martin Laberenz mit dem Arbeitstitel ZERSCHOSSENE TRÄUME hat am 1. Juni Premiere. Autor und Regisseur suchen im gegenseitigen Überschreiben eine Radikalisierung der jeweils eigenen Haltung – das Stück selbst entsteht erst während der Proben.

Beide Inszenierungen kommen in der Spielzeit 2012/2013 ans Centraltheater Leipzig.

Krieg und Frieden (c) Thilo Baumgärtel

Krieg und Frieden (c) Tilo Baumgärtel

In der Ankündigung zu KRIEG UND FRIEDEN heißt es: „Mehr als 250 sorgfältig konturierte Charaktere treten auf, die Feldzüge der kontinentalen Heere, die Schlachten von Austerlitz und Borodino ziehen vorbei, das brennende Moskau und das erbärmliche Ende der Grande Armée. Ein Jahrzehnt der Kriege mit Momenten von Frieden. (…)  Sebastian Hartmann packt das gewaltige Werk am Kragen. Es spricht zu uns. Hier und heute.“

Der vierteilige historische Roman, der, 1868/69 erschienen, die Jahre zwischen 1805 und 1812 aus Sicht zweier russischer Adelsfamilien erzählt, hat nicht nur eine Film- , sondern auch eine Theatergeschichte. Die beginnt bei Erwin Piscator, auf dessen Anregung Sergej Prokoview in den 1940er Jahren die gleichnamige Oper komponierte. Piscators Bühnenbearbeitung hätte der Regisseur gern am im Londoner Westend oder am Broadway gesehen. 1955 wurde sie schließlich am Berliner Schillertheater uraufgeführt: Ein großer Publikumserfolg mit vernichtenden Kritikerstimmen.

Gerade erst brachte Matthias Hartmann an der Wiener Burg 1000 der 1600 Seiten nach mehrjähriger, zum Teil öffentlicher Probenarbeit und in knapp fünf Stunden auf die Bühne. Sebastian Hartmann selbst hat mit Der Zauberberg in Leipzig schon gezeigt, was er aus epochalen Romanen für das Theater herauszuholen vermag: Eine „lustvolle Kletterpartie durchs Wort- und Gedankengebirge“ befand damals die taz und Die Welt urteilte „Sehr deutsch ist das, was Hartmann aus dem alten Eis des Textes hervorholt. Überraschend kurzweilig, kurioserweise auch sehr lustig und bemerkenswert aktionsreich.“

Bis Mai bleibt noch genügend Zeit, (noch)mal von den Bolkonskis und den Besuchows zu lesen. Erst 2010 erschien bei Hanser eine neue, zweibändige Ausgabe des Klassikers. Barbara Conrad erhielt für ihre Übersetzung den Preis der Leipziger Buchmesse.

Tolstoi: Krieg und Frieden. Carl Hanser Verlag 2010