bleiben will ich | Studio LZR, Werkstatt, LOFFT

lazer frei! das schauspielstudio produziert sich kollektiv am lofft

Gerade spielte das Leipziger Schauspielstudio zwischen Masterarbeit und Vorsprechen fürs Erstengagement noch in der Diskothek, da kündigt ein achtköpfiges Studio LZR eine neue Produktion an. Und zwar bei den LOFFT-Werkstattmachern. Was da los? Wir haben nachgefragt...

studio lzr: bleiben will ich © Rolf Arnold
Studio LZR, von links nach rechts: Paul Trempnau, Nicole Widera, Nina Wolf, Philipp Staschull, Ron Helbig, Tobias Amoriello, Julian Kluge und Friedrich Steinlein.  © Rolf Arnold

Das Kollektiv Studio LZR gründete sich im Januar 2020 aus acht ehemaligen Schauspielstudent*Innen (…) erklärt » die LZR-Homepage, und, geht es ebenda sehr vorausschauend weiter, realisiert seitdem, deutschland- und europaweit Theaterproduktionen.

Die erste davon ist „bleiben will ich“, gerade laufen die Endproben, Premiere ist am 2. März in der LOFFT-Werkstatt. Was es damit und mit dem Studio auf sich hat, erklären mir Nicole Widera, Julian Kluge, Tobias Amoriello und Friedrich Steinlein sehr gern bei einer Tasse Kaffee im Piloten.

Die acht HMT-Schauspielstudenten, die gerade im Studio des Schauspiel Leipzig spielen und hier in vielen Hausproduktionen und mit » einer eigenen Studioinszenierung auf der Bühne stehen, sind kurz vor dem Abschluss ihres Studiums. Und damit eigentlich ebenso kurz davor, sich in alle Himmelsrichtungen zu zerstreuen. Nun aber hat sich hier ganz offensichtlich eine Truppe gefunden, die so gut zusammenpasst und -spielt, dass sie das auch weiterhin tun möchte. Eine sehr ähnliche Herangehens- und Arbeitsweise habe man, erzählen die vier LZR-‚Abgeordneten‘ begeistert, ein großes gegenseitiges Vertrauen, wechselseitiges Ergänzen und gemeinsamen Enthusiasmus. Neben den sonstigen Verpflichtungen in Studium und Ensemble brachten sie bislang drei Abende heraus, in denen sie immer wieder neu und mit anderen Mitteln Themen umkreisen, die ihnen wichtig sind. Abende, das merkt man, an denen sie alle mit Herzblut hängen.

studio lzr: bleiben will ich © Rolf Arnold
Acht Freunde sollt ihr sein: das Studio LZR © Rolf Arnold

Was also war tun? Um weiter zusammen arbeiten zu können, haben die acht kurzerhand ein Theaterkollektiv gegründet – ein in der Geschichte der Hochschule und ihrer Absolventen einzigartiger Vorgang, wie Tobias Amoriello nicht ohne Stolz betont. Gemeinsam will man sich (und tat das auch schon erfolgreich) mit bestehenden Produktionen bei Festivals bewerben. Aber auch Neues soll entstehen.

Mit Max Grafe haben die Studiosi einen Produktionsleiter gefunden, ansonsten wird von Konzeption und Text über Bühnenbild, Probendispo, Licht und Ton bis hin zu PR, Festivalbewerbungen und Social Media alles in, im wahrsten Wortsinn, Eigenregie gestemmt. In kollektiver Regie und einer Menge gegenseitiger Reibung entstehen die Ideen, wird an der Umsetzung gefeilt, wird verworfen, geändert, wieder verworfen und neu gebaut. Eine Menge Arbeit neben Abschlussarbeit schreiben, zu Vorsprechen fahren und dem regulärem Auf-der-Bühne stehen. Denn natürlich sind alle acht auch in Produktionen am Schauspiel eingebunden.

studio lzr: bleiben will ich © Rolf Arnold
die herren des Studio LZR © Rolf Arnold

Und dass es nicht unbedingt leichter wird, wenn die Kollektivmitglieder erstmal an unterschiedlichen Orten in festen Engagements eingebunden sind, zeigt sich dann schon schneller als gedacht, erzählt Nicole Widera. Sie selbst darf kurz noch vor der eigenen Premiere für eine erkrankte Kollegin auf der Großen Bühne einspringen, Studiomitglied Ron Helbig fällt eine ganze Woche aus, weil er » vor der Kamera steht und Kollegin Nina Wolf probt gerade mit Philipp Preuss am Theater an der Ruhr in Mülheim.

Aber die Probenarbeit und selbst die Vorstellungen würden tatsächlich auch dann funktionieren, wenn nicht alle da sein können, versichert die Kollektiv-Hälfte, die mir gegenübersitzt, sehr energiegeladen und blickt frohgemut in die gemeinsame Zukunft.

Noch eine knappe Woche bleibt bis zur ersten Premiere außerhalb des Schauspiel- und Hochschulkosmos. Titel und Motto des Abends sind erneut entlehnt bei Thomas Brasch, dessen Gedicht bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin schon dem » ersten Studioabend anno 2018 Namen und inhaltlichen Rahmen lieh. Ein schönes Ding war das damals, eine im besten Sinne des Wortes vielfältig, subtil und ernst bis heiter verspielte Annäherung an die große Frage des eigenen Standpunktes in der Welt der anderen, die fast ohne Worte auskam und in den Köpfen der Zuschauer durchaus ein sinnstiftendes Durcheinander anrichten wollte. Und auch die neue Produktion will im positiven Sinne Verwirrungstheater sein. Es geht um Vergänglichkeit und es werden – so viel haben die Spieler schon mal verraten – der Worte mehr gewechselt werden. Bunt wird es auch

Gleich nach den Vorstellungen im Lofft fährt das Kollektiv im März mit dem erwähnten „wo ich nie gewesen bin“ zum Internationalen Studententheaterfestival  FIST nach Belgrad, im April dann auf ein Festival in Moldawien. Die Noch-Studenten sind gespannt – einmal natürlich, wie sie selbst ankommen im osteuropäischen Ausland, andererseits aber sind sie genauso neugierig, wie und worüber anderswo Theater gedacht und gemacht wird.

Und das Kürzel LZR? Leipzig, zusammen … ? Nein, das hat eigentlich keine richtig fixe Bedeutung, erklären Tobias Amoriello und Friedrich Steinlein auf Nachfrage. An Laser hätten sie gedacht, aber nicht so sehr an Lichtschwerter in den Händen von Padawans (obwohl das auch gar nicht mal so schlecht passen würde), sondern mehr an das Jugendwort und an einen austin-powers-mäßigen Laserstrahl geradewegs in die Zukunft.
Also: Feste Daumen gedrückt und volle Kraft voraus!


» bleiben will ich
Premiere am 2. März 2020, weitere Aufführungen am 3. und 4. März, jeweils um 20 Uhr | Werkstatt, LOFFT – Das Theater, Leipzig

Die Studio-Inszenierung am Schauspiel Leipzig:
» Container Paris wieder am 8. März 2020 in der Diskothek

 

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