mehler, bauer, calis: das sind die neuen am regie-pult

Der Abschiedsschmerz vom alten Team ist noch nicht ganz verwunden und doch fragt sich der Theatersüchtige schon, wie lange dieses seltsame Etwas namens Spielzeitpause jetzt noch dauern will. Zeit, nach vorn zu schauen und zu gucken, was da ab Oktober so auf uns zukommt.

Dieter Boyer // Der Lärmkrieg

© twitter.com/Dieter Boyer

© twitter.com/Dieter Boyer

Dieter Boyer ist Regisseur, Kurator und Autor. Er hat unter anderem in Chemnitz und Graz vor allem Uraufführungen junger Autoren, oft Auftragswerke der Theater, auf die Bühne gebracht. Seine Inszenierung von Ulrike Syhas Radikale war zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater eingeladen, bei  Sauschneidn von Ewald Palmetshofer war Boyer auch an der Stückentwicklung beteiligt. Auch in Leipzig inszeniert Boyer zunächst ein Auftragswerk: Der Lärmkrieg von Kathrin Röggla, in dem es um“grundlegende Fragen gegenwärtiger gesellschaftlicher Einmischung“ gehen wird. Das Stück eröffnet am 3. Oktober die Spielstätte Diskothek. Außerdem wird ab Ende Oktober Boyers „hübsche, kleine, absurde Komödie“ (nachtkritik.de) Wespen stechen auch im November als Chemnitzer Übernahme ebendort zu sehen sein.

Christoph Mehler // Othello

Christoph Mehler © Karl-Bernd Karwasz

Christoph Mehler © Karl-Bernd Karwasz

Vom Schauspiel Frankfurt kommt Christoph Mehler. Der 39-jährige gebürtige Berliner hat zunächst am Deutschen Theater bei Dimiter Gotscheff, Jürgen Kruse und Armin Petras assistiert, bevor er selbst Regie führte. Bis 2009 leitete er dort die Spielstätte Box und Bar. Er inszeniert u.a. regelmäßig in Nürnberg, Wien und in Dortmund. 2012 brachte Mehler Dennis Kellys Stück Die Opferung von Gorge Mastromas bei den Ruhrfestspielen zur vielgelobten Uraufführung. Zuletzt war von ihm in Frankfurt Horvaths Kasimir und Karoline zu sehen.

Christoph Mehler sorgt für die Eröffnungspremiere der Lübbe-Intendanz auf der großen Bühne: Othello (ebenfalls am 3. Oktober). Bei einer früheren Shakespeare-Inszenierung – Richard III.  2010 in Nürnberg – hat er dem Publikum einen rechten Schrecken ein- und einige Zuschauer von den Sitzen gejagt. Klingt, als könnte Herr Mehler zu uns passen. Wir sind gespannt. ;)

Claudia Bauer // Und dann

Claudia Bauer inszeniert in der Diskothek das Gewinnerstück des Hörspielpreises (Berliner Theatertreffen 2012), Wolfram Hölls Und dann. Premiere ist am 4. Oktober. Claudia Bauer stammt aus Landshut, drückte gemeinsam mit Thomas Ostermeier die Schulbank und war künstlerische Leiterin des Theaterhauses Jena. In den letzten Jahren arbeitete sie in Wuppertal, Heidelberg, Chemnitz und Dortmund und ur-inszenierte 2012 am Schauspiel Hannover Anne Leppers Seymour oder ich bin nur aus Versehen hier. In dem „pubertären Schauermelodram“ (nachtkritik.de) um adipöse Kinder auf dem Zauberberg war auch Emma Rönnebeck zu sehen. Außerdem kann Claudia Bauer auch Punk & No Pants (Schnitzlers Reigen am Theater Magdeburg) und schreckt nicht vor Tortenschlachten (Chemnitzer Salome) zurück. Pluspunkte für Leipzig, denken wir mal. ;)

Mateja Koležnik // Des Meeres und der Liebe Wellen

Mateja Koležnik ist „eine der führenden slowenischen Regisseurinnen, die an allen großen Theatern Ex-Jugoslawiens“ (Spielzeitheft Schauspiel Leipzig) arbeitet. Sie wird die Leipziger Erstaufführung des Grillparzer-Stückes Des Meeres und der Liebe Wellen besorgen (Premiere am 4. Oktober auf der Hinterbühne). Hierfür hat sie ein eingespieltes Team dabei: Henrik Ahr zeichnet für das Bühnenbild, Matija Ferlin für die Choreographie verantwortlich. Mit beiden arbeitete Koležnik  schon in Chemnitz bei Yvonne, Prinzessin von Burgund zusammen. Außerdem brachte sie dort Spiel um Illusion heraus.

Nuran David Calis // Lulu

Nuran David Calis, der 1976 in Bielefeld als Sohn armenisch-jüdische Einwanderer aus der Türkei geboren wurde, ist recht umtriebig: Er war schon Türsteher, produzierte HipHop-Clips und arbeitet als Regisseur, Theater- und Drehbuchautor. Beim Fischer Verlag hat er einen Roman veröffentlicht (Der Mond ist unsere Sonne, hier eine Rezension der Zeit) und für das ZDF Frank Wedekinds Frühlings Erwachen verfilmt. Sein Film Woyzeck mit Tom Schilling versetzt Büchners Hauptfigur als Müllmann in den Berliner Wedding. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewann er mit seiner Räuber-Inszenierung im HipHop-Milieu am Volkstheater Wien 2006 den Nestroy-Nachwuchspreis.

Seine „böse“ Lulu, die ab dem 11. Oktober auf der Großen Bühne zu sehen sein wird, ist eine Übernahme vom Theater Chemnitz und hat dort bei der Premiere im Juni vor allem durch „Sex in extenso fast bis zum Überdruss“ provoziert. Der Chemnitzer Förderverein fragt sich: „Wie werden die Hartmann-geschundenen und starken Tobak gewöhnten Leipziger reagieren? Und: Ist das dann eine Antwort auf die Frage nach der Theaterprovinz?“. Der ganze Text zu Lulu in Chemnitz und Leipzig ist hier nachzulesen. Wir „geschundenen“ Zuschauer warten mal ab.