nicht ohne die skala: ein tagebuch

Die Skala soll geschlossen werden. Die Skala soll umziehen ins Centraltheater. Das Centraltheater hat eine problematische Entwicklung genommen. Nach zwei Jahren ist ein erstes Resümee zu ziehen. Es geht um Einsparungen von 1 Million Euro im Kulturbereich …  Unser Tagebuch ist bemüht, auch ein wenig Licht ins Dunkel bzw. etwas Chronologie in die Ereignisse und Äußerungen rund um die Centraltheater und Skala-Pläne zu bringen – anhand der Beiträge in der Leipzger Presse. Auf das sich jeder ein eigenes Bild zusammensetzen kann.

Die BILD meldet im  Oktober 2009 unter der Überschrift Aus fürs Schauhaus, dass „Kulturdezernent Michael Faber den Vertrag für Leipzigs Kult-Disko nicht mehr verlängern will, damit das Centraltheater in die Räume ziehen kann„. Nicht nur die Verwaltung soll die Räumlichkeiten nutzen, auch eine Integration der SKALA wird angedacht. Das Haus in der Gottschedstraße könnte somit verkauft werden, so Michael Weichert (Grüne) im selben Artikel. Als Datum für das Schauhaus-Ende nennt die BILD Mitte bis Ende 2010.
bild.de/BILD/regional/leipzig/aktuell/2009/10/09/disko-schauhaus/jetzt-ist-aus.html

In einem zweiteiligen Faber-Interview am 12. Juni in der Leipziger Internet-Zeitung L-IZ ist ob der städtischen Haushaltskonsolidierung von 1 Million Euro Einsparvorhaben im Bereich des Kulturdezernates die Rede, die Faber aber durch“Synergieeffekte“ und möglichst ohne „Substanzverlust“ erreichen möchte.
l-iz.de/Politik/Leipzig/2010/06/Interview-Michael-Faber-1-Fuenf-Prozent-und-das-Centraltheater.html
l-iz.de/Politik/Leipzig/2010/06/Leipzigs-Kulturbürgermeister-Michael-Faber-im-Interview.html

Am 12. Juni titelt die BILD Theaterchef geht auf Kulturdezernent Faber los! und zitiert Verwaltungschef Volker Ballweg (CT), der im Auftrag Fabers prüfen soll, was „man spart, wenn man die Skala abschafft und aus dem darauf folgenden dreiseitigem Beschwerdebrief Hartmanns an OBM Jung, in dem dieser sich gegen eine Schließung verwahrt, die einen „massiven Eingriff in die Gesamtkonzeption des Hauses“ darstellt und dem Kulturdezernenten „blinden Aktionismus und die Pflege persönlicher Befindlichkeiten auf dem Rücken derer, die (…) Kultur in und für Leipzig schaffen“ vorwirft. BILD verweist weiter auf eine Äußerung Fabers vor den LINKEN, in der er eine baldige Entscheidung über das Centraltheater ankündigt: „geht es oder geht es nicht„.

Am 14. Juni informiert CT-Verwaltungsdirektor Volker Ballweg auf der Mitgliederversammlung des Freundeskreises Schauspiel Leipzig über eine Prüfungsanfrage der Stadt, nach der das Centraltheater klären soll, welches Einsparpotential eine temporäre Schließung der Skala birgt und inwieweit bei den Theaterwerkstätten gespart werden kann. Die Summe von 500 000 EUR  steht hier im Raum.

Am 16. Juni berichtet die LVZ über einen Theaterstreit im Stadtrat In einer dringlichen Anfrage will die Stadtratsfraktion der Grünen wissen „ob Jung die Bedenken von Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos) teilt, wonach das Centraltheater eine ‚problematische Entwicklung‘ genommen habe„, wie hoch die Einsparvorhaben des Dezernats Kultur und ob eine Schließung der Skala und Kürzungen im Werkstattbereich vorgesehen seien. Fraktionsvorsitzender Leuze hatte schon zuvor Fabers Haltung zum Centraltheater kritisiert und ihm „idelogisch blinden Eifer“ vorgeworfen, so die LVZ weiter.

Einen Tag später (17. Juni) meldet die Leipziger Volkszeitung unter dem Titel Kostendruck: Michael Faber will Skala temporär schließen Pläne zum Umzug der Spielstätte in die Räume des Schauhauses. Es folgt ein Bericht über Fabers Antwort auf die Grünen-Anfrage im Stadtrat. Er habe  „im Rahmen der im Bereich Kultur einzusparenden Million pro Jahr den Leitungen von Gewandhaus, Oper und Schauspiel Kürzungs-Vorschläge unterbreitet. Im Bereich Schauspiel schlug er einen Rückbau der Werkstätten vor. Zudem solle die Nebenspielstätte Skala temporär geschlossen bleiben, im Zuge eines Umzuges von der Gottschedstraße in die Räume der Discothek Schauhaus. Dort solle die Skala 2013 neu eröffnet werden. Dabei würden zwei Millionen Euro investiert werden (die aus einem anderen Topf kommen).“ Faber wähnte sich „da im Einverständnis mit der Theaterleitung“. Sebastian Hartmann kommentierte das gegenüber der Zeitung nicht, bestätigte aber Pläne, „die Skala in die Räume des Schauhauses zu verlegen. Es gehe dabei aber nicht in erster Linie um Kosteneinsparung, sondern um die konzeptionelle Idee der Integration„. Eine temporäre Schließung der Spielstätte sei nicht Teil des Vorhabens gewesen.

Ebenfalls am 17. Juni ruft der Freundeskreis Schauspiel Leipzig e.V. die Stadt zum Erhalt der Skala auf und beginnt eine Unterschriftensammlung zur Unterstützung dieser Petition.

Die Leipziger Internetzeitung (18. Juni) berichtet ebenfalls über die Aussprache im Stadtrat vom 16. Juni, auf der „die Pause für die Skala“ und die laut Faber „ungenügende Performance“ des Centraltheaters hinsichtlich der Steigerung der Besucherzahlen zur Sprache kamen. Auch Freundeskreis Petition und die Reaktion OBM Jungs ist im Artikel erwähnt: „Oberbürgermeister Burkhard Jung wollte sich (…) der Ansicht seines Kulturbürgermeisters, das Centraltheater und sein Chef praktizierten eine „Einspur-Inszenierungskunst“, nicht so recht anschließen. Zwar seien in Hartmanns erster Spielzeit die meisten Aufführungen deutlich von der bei Faber so ungeliebten Handschrift des Intendanten geprägt gewesen, in der abgelaufenen Saison sei jedoch ‚die Pluralität des Angebotenen sehr deutlich‘ geworden.
http://www.l-iz.de/Politik/Leipzig/2010/06/Michael-Faber-Schliessung-Skala-Leipzig.html

Am 21. Juni bezieht Skadi Jennicke (Die LINKE) in der Leipziger Internetzeitung Stellung zur Debatte. Als „verwunderte“ Reaktion auf die Freundeskreis-Petition lenkt sie das Augenmerk auf das ‚temporäre‘ der Schließung und die Neueröffnung und spricht weiter davon, dass die Diskothek Schauhaus seinen Vertrag zum Jahresende gekündigt habe und daher Einnahmen wegfielen. Daraufhin hätte Faber den Skala Umzug in die Schauhaus Räumlichkeiten vorgschlagen. Die Empörung kann Frau Jennicke nicht nachvollziehen: „Diesen Vorschlag kennen der Intendant und sein Verwaltungsdirektor seit Beginn der laufenden Spielzeit und haben ihn auch selbst mehrfach als mögliche Option angeführt„. Nun sei das Centraltheater aufgefordert „einen eigenen Anteil am Umbau der zukünftigen Spielstätte am Ring zu leisten Und wenn dieser Anteil „aus Sicht des Intendanten nicht darin liegen kann, die Bühne zwei Jahre lang still zu legen oder in einem Interim reduziert fortzuführen, dann ist er in der Pflicht, Alternativen aufzuzeigen.“ – nicht zuletzt aus Solidariat mit den anderen Leipziger Kulturbetrieben und der Freien Szene.
http://www.l-iz.de/Politik/Leipzig/2010/06/Skadi-Jennike-Schliessung-Leipziger-Skala.html

Im Interview mit der LVZ (22. Juni) verteidigt Michael Faber seine Vorschläge und wehrt sich gegen den Vorwurf, dem Theater werde finanziell das Wasser abgegraben: „In den letzten beiden Jahren hat Sebastian Hartmann 1,8 Millionen Euro mehr bekommen. Wenn man in der jetzt so angespannten Haushaltssituation ihm davon wieder 300 000 Euro wegnimmt, kann wirklich keiner sagen, dass das an die Substanz gehe.“ Auch die anderen Kulturbetriebe hätten Einsparungsvorschläge zu prüfen, hätten  aber „professionell und kollegial Stillschweigen gewahrt“.

Reik Hesselbarth (FDP) greift am selben Tag in der Leipziger Internetzeitung in die Debatte ein. Der kulturpolitische Sprecher der FDP Fraktion wirft dem Kulturdezernenten Konzeptionslosigkeit vor und steht den Skala Plänen skeptisch gegenüber: „Man sollte an der Struktur der Kultur im Gesamten arbeiten und nicht temporär eine Spielstätte schließen. Das halte ich für unehrlich und außerdem führt es zu nichts.“
http://www.l-iz.de/Politik/Leipzig/2010/06/FDP-zur-Leipziger-Skala-Debatte.html

und nun warten wir gespannt auf morgen …