Robinson Crusoe | Seebühne Hiddensee

viel mehr als nur illustration: die abenteuer des wohl bekanntesten insulaners

An vielen Theatern werden Romane auf die Bühne gebracht. Auch die Seebühne Hiddensee hat sich diesem Trend angeschlossen und passenderweise den klassischen Inselroman gewählt: Robinson Crusoe. Wieder einmal ist ein typischer Seebühnen-Abend für einen Schauspieler (Karl Huck) und viele Puppen entstanden, der eine bekannte Geschichte neu interpretiert.

Robinson Crusoe Seebuehne Hiddensee

Robinson Crusoe Seebuehne Hiddensee

Das Ganze beginnt mit einer Rahmenhandlung: Aus einem prächtigen Bilderrahmen heraus schaut uns der Autor Daniel Defoe an und berichtet von seinen finanziellen Nöten. Er muss Geld für die Hochzeit seiner Tochter besorgen. Dabei kommt ihm die Idee, einen Roman zu schreiben – natürlich den über Robinson Crusoe.

Erschienen ist der Roman vor genau 300 Jahren. In den 1970er Jahren war das Buch Schullektüre und es gibt eine ganze Reihe von Verfilmungen, so daß damit zu rechnen ist, daß die meisten Zuschauer die Geschichte kennen. Aber ob sich auch alle daran erinnern, daß Mr. Crusoe vor seinen Inselabenteuern als Kaufmann unterwegs war und mit Sklavenhandel zu tun hatte? Hier wird das in einer kurzen Szene erwähnt. Aber auch in der Seebühne kommt Robinson schließlich auf seine einsame Insel. Ganz einsam ist er dort nicht, die „Kampfkatze“ Moll, der Kakadu Poll und der Hund Jack leisten ihm Gesellschaft. Auch eine kleine Liebesgeschichte entwickelt sich – zwischen Robinson und einer Ziege. Gespielt werden alle Figuren von Karl Huck, meist sind es gar keine kompletten Puppen, sondern Köpfe, mit denen er hantiert und denen er sozusagen seinen Körper leiht. Untermalt wird das immer wieder von Musik von Tom Waits.

Natürlich taucht dann auch Freitag auf, er ist hier aber nicht der edle, aber unzivilisierte Wilde, sondern ist des Schreibens und Lesens mächtig und so werden auch mal Bibelverse zitiert. Während bei Defoe doch alles ein gutes Ende nimmt und Robinson mit Freitag nach 28 Jahren in seine Heimat zurückkehrt, dauert der Aufenthalt auf der einsamen Insel in der Seebühne nur eine Stunde, nimmt jedoch ein etwas anderes Ende. Zwar erreicht ein Schiff die Insel, die Besatzung tötet aber Robinsons Hund und schneidet Freitag die Zunge heraus. Mit der Zivilisation brechen Gewalt und Tod auf die Inselidylle herein. Trotz dieses vielleicht etwas verstörenden Endes gab es viel Beifall vor ausverkauftem Haus!

Erneut ist dem Regisseur Holger Teschke und dem Ensemble der Seebühne unter der Leitung von Karl Huck ein wunderbarer Abend gelungen, viel mehr als nur eine weitere von vielen Illustrationen der Abenteuer des Robinson Crusoe. Theaterinteressierte Hiddensee-Urlauber sollten zwischen Bernsteinsuche und Rundgang im Hauptmann-Haus auf jeden Fall den Besuch der Seebühne einplanen, im Winter gibt es auch Vorstellungen in der Homunkulus-Figurensammlung.