Von Umbauten, Neubauten und einer zu prüfenden Schließung, die keine sein will

Leipzig im Jahre 2010.
Die Auswirkungen der schwersten Finanzkrise seit bestehen der Bundesrepublik Deutschland kommen nun auch in den kommunalen Haushalten an. Überall soll gespart werden, auch an der Kultur und hier im besonderen am Theater. Kulturdezernent Michael Faber setzt den Hebel genau dort an, wo scheinbar am wenigsten Widerstand zu erwarten ist.
Außen vor bleibt bei dieser Vorgabe, die aus baulichen Gründen notwendige Schaffung von neuen Räumlichkeiten, das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Räume befinden sich im Besitz der Stadt. Besteht gerade jetzt der Druck zur Entscheidung, wäre es unter anderem von Interesse zu erfahren, über welchen Zeitraum sich dieser tatsächlich aufgebaut hat. Das im Zuge des Wechsels der Intendanz der Focus erst einmal auf die künstlerisch inhaltliche Umsetzung der vorgelegten Konzeption im Mittelpunkt stand, um das angestrebte Ziel, die Gewinnung neuer Publikumskreise zu erreichen, scheint nachvollziehbar.
Damit die Skala in besagte Räume einziehen könnte, soll sie aber  einen wesentlichen finanziellen Beitrag dazu erbringen. Angedacht  ist eine (mittlerweile) temporäre Schließung.
Die Stadt als Eigentümer der Räume und als Arbeitgeber der Beschäftigten des Eigenbetriebs schlägt diesen somit eine temporäre „Aussetzung“ ihrer Arbeitsverträge vor?
Mit der vagen Zusicherung bei eventuell konsolidiertem Haushalt im Jahr 2013 mit einer „Wiederinkraftsetzung“ der Verträge rechnen zu können?
Tatsächlich könnte mit so einem Vorgehen auf einen Schlag eine Menge Geld gespart werden.
Das dieser Vorschlag somit aber den abrupten und letztlich endgültigen Abbruch der Entwicklung dieser jungen und innovativen Plattform bedeutet, scheint als unvermeidbarer Kollateralschaden in Kauf genommen zu werden.
Dies ist, als stülpte man über eine junge Pflanze einen Glassturz mit dem Ziel, sie erhalten zu wollen und sie dann drei Jahre alleine zu lassen. Was danach von dieser Pflanze noch übrig wäre, sich dies vorzustellen bedarf es keiner großen Fantasie.
Beim derzeitigen Stand der Debatte schwebt die unausgesprochene Frage im Raum, wer von den sich äußernden Beteiligten sich vor wessen Karren spannen lässt.
Das derzeit unisono die kommunalen Kulturbeauftragten die Axt an die weltweit einzigartige Theaterkultur dieses Landes legen, sollte doch zu denken geben.
Die weiterhin fröhlich Urstände feiernden Banker und Manager der Hedge Fonds wird es wahrlich nicht grämen, das Realpolitiker im Fahrwasser der allgemein grassierenden Einsicht in unvermeidbare Sparzwänge Jahrzehnte alte Reformstaus aufzulösen versuchen.
Uns hoffentlich schon!

|:jutta palm:|