let me entertain you & herzlich Willkommen

was für ein aufschlag! das neue schauspielstudio in der diskothek

Der Freitagabend ist schon fortgeschritten und so ist es ein reichlich spätes Abendessen, dass die acht neuen Schauspiel Leipzig Studiosi in der Diskothek zu sich nehmen: stoisch kauend und ab und an aufblickend, während wir Zuschauer unsere Plätze suchen. Das ist der Auftakt zu einem ersten Studioabend ‚unserer neuen‘ Studenten. Und der ist gar nicht so einfach in Worte zu fassen, so viel steckt da drin!

wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber

Zusammengehalten wird der Abend in schöner Ambivalenz zwischen Aufbrechen-Wollen und (Fest)gehalten sein vom Brasch-Gedicht Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin, das die acht abwechselnd Zeile für Zeile (über)schreiben und per Polylux an die Wand werfen. Und von den kurzen Texten, die hinter der Bühne im Close-up in die Kamera gesprochen werden und die von unserem alltäglichen Maskentragen handeln, vom Verkümmern der Ausdrucksmöglichkeiten durch Nichtbenutzung, von der Unmöglichkeit, den anderen wirklich zu erreichen aber auch vom Willen, das nicht mit-, sondern sich frei zu machen.

die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber

Vorn hängen sie derweil erst ein winziges, dann herrlich komisch-umständlich unter Zuhilfenahme einer Hebebühne ein überdimensioniertes „Herzlich Willkommen“ an die Wand, räumen wunderbar verrenkt in ministry-of-silly-walks-Manier die Tische ab und spülen in Kette Geschirr. Es wird Kaffee ausgeschenkt und – nach ausführlichem konzertanten Umrühren, stiller-Post-Zuckerwunsch-Übermittlung und einer akrobatisch vollendeten Würfelzuckerwurf- und Fangvorführung – auch getrunken. Es wird gefegt, es wird etwas beerdigt, Hindernisse werden überwunden und am Ende wohnen wir sogar einem Abendmahl bei.

Fast ohne Worte und mit gefühlt unendlich viel Zeit bauen uns die zwei Mädels und sechs Herren einen zauberhaft-skurrilen und vielschichtigen (Theater)Kosmos. So viele kleine und ganz große Dinge sind hier verwoben, die fürs Theater stehen, aber auch fürs Leben: da ist die Bühne pure Show, aber auch Raum, um sich auszuprobieren; das Ich ein Einzelwesen, aber der Einzelne Teil der Gruppe. Es gibt Gleichklang und Nicht-Zusammenfinden, Spiel schlägt Realität schlägt Spiel. Vor allem und immer aber leuchtet hier die Freude am sich Verwandeln und die Lust am Schau-Spielen.

wo ich sterbe, da will ich nicht hin

Das alles ist so überaus klug und gewitzt, unterhaltsam und komisch, aber auch sehr sehr anrührend. Ihr seht, wir sind hin und wech. Ein großer kleiner Abend, ein wahres Sternstündchen, das in einer Ab- und Auftauch-Choreographie zu Let me entertain you grandios endet. Das lassen wir euch sehr gern! Und bitte oft. Also: Herzlich Willkommen!


» 1. Studioabend
Von und mit: Tobias Amoriello, Ron Helbig, Julian Kluge, Philipp Staschull, Friedrich Steinlein, Paul Trempnau, Nicole Widera und Nina Wolf. Studioleitung Anna Keil und Matthias Döpke

Das nächste Mal alle Studiomitglieder auf der großen Bühne am 2. November in FAUST I.

Mehr zum Schauspiel Leipzig Studio: https://www.schauspiel-leipzig.de/ensemble/studio/ + aktuelle Infos via Facebook https://www.facebook.com/studioschauspielleipzig/