zwischen revolution und stadtjubiläum – die neue spielzeit am schauspiel leipzig

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Zeiten des Aufruhrs ist die neue Spielzeit überschrieben. Das meint einmal die Uraufführung von Revolutionary Road von Richard Yates (den der Intendant und Regisseur des Stückes zur Spielzeitpräsentation als vergessenen amerikanischen Autor und früh verstorbenen Alkohol- und Nikotinsüchtigen vorstellt). Als erstem Theater überhaupt ist es Leipzig gelungen, die Uraufführungsrechte an dem 1961 erschienenen und 2008 vom Sam Mendes verfilmten großen Roman zu bekommen, diesem Stationendrama einer scheiternden Hoffnung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem über die Frage, wie das Leben sein könnte, das Leben selbst verloren geht.

No one forgets the truth; they just get better at lying. Richard Yates, Revolutionary Road

Das meint andererseits – und programmatischer – eines der unvermeidlichen Jubiläen des Jahres: jährt sich doch heuer die friedliche Revolution zum 25. Male. Mit Hamlet (2. Oktober, Große Bühne) und Wolokolamsker Chaussee I-V von Heiner Müller (10. Oktober, Hinterbühne, Regie Philipp Preuss) werden im Herbst zwei Werke die Saison eröffnen, an deren Proben und Aufführungen zur Wendezeit sich Ensemblemitglied Barbara Trommer und sicherlich auch viele Zuschauer noch lebhaft werden erinnern können. Auch die Performer von She She Pop, zuletzt zur Euroscene 2011 hier zu sehen, geben sich die Ehre. Sie spielen ihr hochgelobtes Programm » Schubladen (2009), in dem die Wiedervereinigung als Beziehungsarbeitive für drei Ost-West-Paare zur konkreten Aufgabe auf der Bühne wird:

Schubladen ist (…) eine assoziative Recherche über die Bedingungsgefüge, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind. Ein vergnüglicher Abend mit Langzeit- und Tiefenwirkung. taz, 2012

Zweiter Schwerpunkt wird das 1000jährige Stadtjubiläum Leipzigs 2015 sein. Nuran David Calis (Lulu) nimmt sich anlässlich dessen Brechts Baal vor, der 1923 am Alten Theater Leipzig uraufgeführt wurde. Und Volker Insel fragt im Sommertheater, das dann wieder am Gohliser Schlösschen stattfindet, ob nun die Neuberin tatsächlich den Hanswurst von der Bühne vertrieben hat oder alles doch ganz anders war.

Insgesamt planen Enrico Lübbe und Team für 2014/15 ambitionierte 21 Premieren, darunter wieder sechs (!) Uraufführungen. Als Gastspiele werden Karin Henkels Zürcher » Amphitryon und mit » Ohne Titel Nr. 1 wieder ein Herbert Fritsch zu sehen sein. Mit in die nächste Spielzeit übernommen werden 18 Inszenierungen, darunter die (beim Publikum) erfolgreichste Produktion dieser Spielzeit Die Dreigroschenoper (ab Januar 2015), der Abi-Klassen-Renner Antigone, das gerade mit dem Mülheimer Dramatikerpreis geehrte Und dann und Gerhard Fritschs Fasching, aber auch Mathis Reinhardts Solo Nipplejesus im MdbK.

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