pralles wintertheaterleben – die reihesieben-vorschau

Für Neujahrswünsche ist es schon etwas spät, nicht aber für unseren Winter-Vorguck. Denn jetzt geht es endlich richtig los, das Theaterzwanzigsechzehn! Vier Städte, elf Theaterabende, acht Premieren und das allein bis Ende Februar. Neue Stücke von diversen Lieblings-Regisseuren und ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten: Have a look!

 »Für was sich bewahren – für morgen? Wer weiß, wie morgen der Dollar steht, wer weiß, ob man morgen noch lebt?«

Schauspiel Hannover
Die erste Premiere unseres Theater-Jahres: » Wolf unter Wölfen. Sascha Hawemann inszeniert Falladas 20er-Jahre-Großstadtdschungelroman vom Scheitern und die Besetzung liest sich wie ein Ex-Leipziger-Who-is-who: Sarah Franke, Günther Harder, Christian Kuchenbuch, Hagen Oechel und Carolin Haupt stehen am 16. Januar auf der Bühne – Wir freuen auf eine rauschende Premiere.

Wolf unter Wölfen © Katrin Ribbe

Wolf unter Wölfen © Katrin Ribbe


 »Wenn wir in den Himmel kämen, müssten wir donnern helfen.«

Connewitzer Cammerspiele
Weiter geht’s dahoam: Olav Almendes Abend behauptet » Woyzeck. Eine Komödie und soll auf grausame und komische Weise in einer eigenen, collagenartigen Textfassung zeigen, „wie allein durch die Gewalt der Sprache der Raum für einen am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen derart verengt wird, dass dieser schließlich aus dem sozialen Gefüge ausscheidet.“

Es spielen Anne Rab, Christian Backhauß, Falko Köpp und Georg Herberger. Premiere ist am 21., weitere Vorstellungen am 23. und 24. Januar, jeweils 20 Uhr in der nato.


Schauspiel Frankfurt
Ein Kruse ohne Manuel Harder ist – zugegeben – schwer vorstellbar, aber doch noch immer ein Kruse: Am Schauspiel Frankfurt hat Jürgen Kruse sein nun schon drittes Stück in Folge inszeniert und dafür laut nachtkritik „Büchners schillernde Komödie ins Grand Hotel Abgrund“ verlegt. Büchners Pi-Pa-Po-Verwirrspiel » Leonce und Lena hatte schon im Oktober Premiere, wir fahren zur sonntäglichen man-kommt-nachher-auch-wieder-heim-18-Uhr-Vorstellung am 24. Januar und freuen uns auf optischen und musikalischen Overload und unter anderem auf Linda Pöppel, Oliver Kraushaar, Isaak Dentler und Heidi Ecks.

Jürgens Kruses LEONCE UND LENA, © Birgit Hupfeld

Jürgens Kruses LEONCE UND LENA, © Birgit Hupfeld


Im Februar erwartet uns mit Sebastian Hartmanns » Revisor sicher einiges mehr als eine sich handwerklich-perfekt abspulende Komödie im Dienste des Autors. Nach dem großartigen und aufwühlenden Dostojewski-Abend der letzten Spielzeit (Die Dämonen, hier unsere Kritik) ist es nun Gogols Verwechslungsspiel, das man wunderbar als bösen Kommentar zu klammen Staaten und zu menschlicher Gier lesen kann. Für die Musik sorgt mal wieder Steve Binetti, es spielen unter anderen Isaak Dentler, Linda Pöppel und – besondere Freude – Holger Stockhaus. Premiere ist am 20. Februar 2016.


We are such stuff
As dreams are made on: and our little life
Is rounded with a sleep.

Schauspiel Stuttgart


Jetzt aber: Manuel Harder! Ende Januar ist in Stuttgart Gelegenheit, gleich zwei aktuelle Produktionen mit dem Ex-Centralspieler zu sehen. In Carsten Brandaus » Die Anmaßung ist er … ähäm, ja … Manuel Harder. Brandau hat diesen „Ritt an der Grenze zwischen Spiel und Echtem“ explizit für Harder geschrieben, der – mit einem fremden Text – sich selbst spielt. Oder die Figur Manuel Harder. Oder so. Die Uraufführung ist am 21. Januar im Nord. Auf der großen Bühne gibt Harder den Prospero in Shakespeares » Der Sturm – inszeniert vom gerade glücklich verlängerten Schauspielchef Armin Petras (Premiere war bereits im Dezember).

Der Sturm © JU Ostkreuz

Harder im Sturm © JU Ostkreuz

Wenn man schon einmal so weit reist … Quasi als Zugabe gibt es – neben den weltbesten Maultaschen – am 31. Januar die Premiere der recht selten gespielten Purcell-Shakespeare-Oper » The Fairy Queen  – eine Koproduktion von Stuttgarter Schauspiel und Oper.


Der Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein

Probenfoto Metropolis. Rolf Arnold

Probenfoto Metropolis. (c) Rolf Arnold.

Schauspiel Leipzig
Anfang Februar dann die erste Premiere des Jahres am Schauspiel Leipzig: Spannendes Stück – » Metropolis nach dem Film von Fritz Lang, spannende Regisseurin – Claudia Bauer, die bislang mit Und dann, Splendid’s und Die Ermüdeten Diskothek und Hinterbühne gerockt hat und nun ihr Debüt auf der großen Bühne gibt. Dazu eine feine Besetzung. Es spielen u.a. Sophie Hottinger, Markus Lerch und Florian Steffens. Ergibt: erwartungsvolle Vorfreude! Wer schon vor der Premiere am 5. Februar reinschauen möchte: am 26. Januar findet eine öffentliche Probe statt.


Es wird eine Welt gegeben haben und diese Welt wird nicht mehr sein.

Zwei Wochen später der nächste Schlag auf’s Leipziger Uraufführungskonto. Auf diesen Text sind wir sehr gespannt – Ist es doch das neue Werk Wolfram Hölls, dessen assoziatives und poetisches Und dann in der Inszenierung von Claudia Bauer zu den bislang sehenswertesten Abenden am Haus zählt. Jetzt kommt mit » Drei sind wir ein Auftragswerk des Schauspiel Leipzig zur Uraufführung: Es handelt von dem entscheidenden Chromosom zuviel, von einem Kind, von Familie und vom Verschwinden der ganzen Welt. Inszenieren wird Thirza Bruncken, eine Regisseurin, die vor ein paar Jahren mit schräg-überdrehten Klassikeradaptionen von sich reden machte. Es spielen Daniela Keckeis, Bettina Schmidt, Wenzel Banneyer und Sebastian Tessenow. Klingt nach einer vielversprechenden Kombination – die Premiere ist am 20. Februar in der Diskothek des Schauspiel Leipzig.


Die Monchhichis der Wolokolamsker Chaussee (c) Rolf Arnold

Die Monchhichis der Wolokolamsker Chaussee © Rolf Arnold

Am 25. Februar sind auf der Hinterbühne wieder die Monchichis los: Die » Wolokolamsker Chaussee I-V – Philipp Preuss‘ sehenswerter Heiner-Müller-Abend (hier unsere Premierenkritik) – erlebt zum Glück eine Wiederaufnahme. Dann sind neben Felix Axel Preißler, Daniela Keckeis, Denis Petković und Sebastian Tessenow auch Lisa Mies und Matthis Reinhardt auf der Leipziger Bühne zu sehen. Hat man ja nicht mehr so oft, die Gelegenheit. Außerdem gastieren Rimini Protokoll mit Mein Kampf am 17. und 18. Februar im Schauspiel und am 26. Februar ist leider schon die letzte Gelegenheit, Nuran David Calis‘ » Baal-Inszenierung mit einem famosen Sebastian Tessenow in der Titelrolle zu erleben.


Viel vor, viel Vorfeude, viele Toitoitois – Dann mal los, Macht Theater!