Offener Brief & Demonstration in Berlin

dürfen, können, müssen, sollen – ein paar gedanken zur atlas-debatte, nummeriert

atlas, schauspiel leipzig © Rolf Arnold

© Rolf Arnold

  1. Man sollte gesehen haben, worüber man spricht.
  2. Es ist gut, dass vietnamesisch-deutsche Schicksale endlich erzählt werden.
  3. Die Existenz von atlas hindert niemanden, das Thema auf seine eigene Art zu erzählen.
  4. Die Existenz der Inszenierung hindert niemanden, das Stück auf seine eigene Art zu inszenieren.
  5. Wir müssen über Teilhabe reden – in der Gesellschaft, in den Theatern.
  6. Es ist kein Zeichen von Teilhabe, wenn Schauspieler mit vietnamesischen Background als Vietnamesen besetzt werden.
  7. Adressaten für die Forderung nach Teilhabe sind die Theater, sind – noch zuvor – die Schauspielschulen. Adressat für diese Forderung ist nicht diese Inszenierung, die sehr klug und behutsam Heimat, den Verlust derselben, das Fremdsein und -bleiben, das (Un)sichtbar sein und das Finden einer eigenen Stimme aufgreift.
  8. Sich beschweren, nicht genannt zu sein, können die an den Recherchen für atlas beteiligten Interviewpartner von Thomas Köck. Am besten bei Thomas Köck.
  9. Ein Autor „darf“ über alles schreiben. Wer wollte hier Richter sein?
  10. Ein Regisseur ist in der Wahl seiner künstlerischen Mittel frei.
  11. Die Kunst ist frei.

Und hier die bisherigen Wortbeiträge zur Debatte chronologisch aufsteigend:

» Respektloses Verhalten gegenüber der Kraft der Kunst. Debatte über Theaterstück „Atlas“. Michael Laages, Deutschlandfunk, 10. Juni 2019

» Wir wollen mehr als leere Worte. Eine Antwort deutsch-asiatischer Kulturschaffender auf die Stellungnahme des Schauspiel Leipzig, facebook.com/danthynguyen.artist, 8. Juni 2019

» Vielleicht schaffen wir ja aber doch einen Dialog. Email  von Philipp Preuss an Truong Hong Quang. drtruong.wordpress.com, 7. Juni 2019

» Künstlerin kritisiert Reproduktion von Rassismus. Olivia Hyunsin Kim im Gespräch mit Max Oppel. Deutschlandradio Kultur, 6. Juni 2019

» Natürlich reproduzieren wir keinen Rassismus. Dramaturgin Katja Herlemann antwortet „Atlas“-Kritikern. Deutschlandradio Kultur, 6. Juni 2019

» Die Stellungnahme des Schauspiels Leipzig. facebook.com/schauspielleipzig.fanseite, 6. Juni 2019

» Weiße interpretieren vietnamesische Geschichte. Debatte über kulturelle Aneignung. Falk Schreiber im Gespräch mit Johannes Nichelmann. Deutschlandradio Kultur, 5. Juni 2019

» Wir sind mehr als eure Inspiration. Offener Brief deutsch-asiatischer Kunst- und Kulturschaffender an das Schauspiel Leipzig, das Deutsche Theater Berlin und die Mülheimer Theatertage,  facebook.com/danthynguyen.artist, 4. Juni 2019

 

Schuld und Sühne | Staatsschauspiel Dresden

hartmanns schuld und sühne – eine beeindruckende grenzüberschreitung

Auch unser Autor Thomas Pannicke war bei der Hartmann-Premiere in Dresden und hat einen Abend gesehen, der „die Grenzen des herkömmlichen Theaters überschreitet“. Hier seine Sicht auf Schuld und Sühne“:

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Lenz in Metropolis | Schaubühne Lindenfels

no god in the sky? büchners lenz im raster

Büchners Lenz ist ein Borderliner, den Getriebener, Hypersensibler, bei dem Lebensmut unmittelbar in tiefste Verzweiflung, ja in unerträgliche Leere umschlagen kann. Der rastlos ist und doch Halt sucht. Der, in sich selbst gefangen, nicht aus der eigenen Isolation auszubrechen vermag. An der Schaubühne Lindenfels versucht René Reinhardt in einer Mischung aus Sprache, Tanz, Musik und Sound in Büchners Textfragment und die Gedankenwelt des Protagonisten einzutauchen.

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Siegfried (UA) | Bayreuther Festspiele

bayreuth goes schauspiel & philipp preuss goes (siegfried) wagner

Das ist eine Premiere bei den Bayreuther Festspielen – bzw. zumindest im Rahmenprogramm derselben: Am 13. August 2019 kommt hier erstmals eine Sprechtheater-(Ur)Aufführung heraus und inszenieren wird selbige der Leipziger Hausregisseur Philipp Preuss.

Das Autorenduo Feridun Zaimoglu und Günter Senkel lässt in seinem neuen Theatertext – einem Auftragswerk der Bayreuther Festsspiele – den ersten Erben und Sohn Richard Wagners Siegfried zu Wort kommen, der die Festspiele von 1908 bis 1930 geleitet hat. Für Bühne und Kostüme zeichnet Ramallah Aubrecht verantwortlich. Den Doppel-Monolog spielen werden Felix Römer (Schaubühne Berlin) und Felix Axel Preißler. Damit ist die Leipzig-Bayreuth-Connection aber noch nicht zu Ende: An Licht und Ton wirken Carsten Rüger und Alexander Nemitz.

Aufführungsort ist die Kulturbühne Reichshof, ein in den 1920er erbauter, ehemaliger Kinosaal im Herzen Bayreuths.


» Siegfried (UA)
von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. Regie Philipp Preuss. Bühne/Kostüm: Ramallah Aubrecht. Mit: Felix Axel Preißler und Felix Römer.

Premiere: 13. August 2019, Kulturbühne Reichshof, Bayreuth
Weitere Aufführungen: 15./19. und 21. August

 

Unite & Shine in Berlin

 

 

 

Berlin-Tipp: Julie | 16.-19- Mai 2019

leo skverer & nele rosetz im theaterdiscounter

Juli. Theaterdiscounter Berlin.

Leo Skverer, der in Leipzig das wuchtige „Missverständnis“, das wunderschön-fragile „Fräulein Else“ mit Sina Martens und zuletzt Satres „Geschlossene Gesellschaft“ in der Baustelle verantwortet hat, bringt jetzt in Berlin am Theaterdiscounter seine nächste Arbeit heraus: Am 16. Mai hat dort „Juli“ Premiere, ein Stück des russischen Autors Iwan Wyrypajew:

An einem Tag im Juli, dem verlorenen Monat des Müßiggangs, wacht Pjotr, 63, in der zentralrussischen Einöde auf und sieht, wie das Feuer sein Haus und seinen Verstand zum Schmelzen bringt. Seine Reise zur nächstgelegenen Stadt beginnt Pjotr mit dem Mord an seinem Nachbarn, dann tötet er einen Obdachlosen und den Priester des Klosters, in dem er Obdach findet. Als er in eine geschlossene Anstalt gesteckt wird, glaubt er in der Pflegerin seine Jugendliebe zu erkennen …

Oha, harter Stoff. Es spielt Nele Rosetz, die dem Leipziger Publikum auch keine Unbekannte sein dürfte.


» Juli 
von Iwan Wyrypajew. Regie: Leo Skverer. Ausstattung: Agathe MacQueen. Musik/Sound: Martin Hachmann. Dramaturgie: Marcus Peter Tesch. Es spielt Nele Rosetz.

Premiere am 16. Mai, Vorstellungen 17.-19. Mai 2019