auf einen kaffee im piloten
das sind die neuen im ensemble #3 sophie hottinger

Vier Schauspieler sind in diesem Herbst neu ins Ensemble gekommen. Ihren Einstand auf der Bühne haben sie schon gegeben – wir haben Julia, Florian, Sophie und Katharina nun zum Nachmittagskaffee im Piloten getroffen.

Neben Plaudereien über Theater, Stadt, Ankommen, Rollen und Textlernen haben die vier ohne Murren unseren Fragebogen ausgefüllt. Wir stellen euch unsere „Neuen“ vor – in Folge #3 Sophie Hottinger, die, wäre ihre Mutter nicht gewesen, heute nicht auf der Bühne stände.


sophiepilot

Sophie Hottingers erste Arbeit in Leipzig sind Die Ermüdeten in der Regie von Claudia Bauer. Hier schleicht sich 37Jährige mit herrlicher nothing-left-to-lose-Attitüde ins Wir-sind-alle-so-erfolgreich-Bionadebiedermeier-Partygeschehen ein. Ihr markanter Auftritt bleibt haften und ihre ebenso markante Stimme lässt den meist vom Bühnenrand gesprochenen Text (» hier unsere Premierenkritik) unter die Haut gehen.

Zu unserem Kaffeeklatsch-Termin kommt sie gerade von der dritten Vorstellung dieser sehr lohnenden Inszenierung – „Die dritte war das jetzt? Die beste bislang! Und anstrengend…“. Trotzdem schaltet die Schweizerin gleich in den Kennlerngesprächs-Modus. Sie erzählt, mit wem sie schon gearbeitet hat – u.a. Roger Vontobel, Viktor Bodó und Elmar Goerden, will wissen, wer unsere Lieblingsregisseure sind und wie die Stadt so ist mit ihrem Theater.

Theater gespielt hat Sophie eigentlich immer – in der Schule in Zürich fand sie zum Glück Freundinnen, die genausoviel Freude daran hatten wie sie selbst. Und dann hat die Zürcher Schauspielschule sie beinahe aus dem Theater vertrieben. Es war furchtbar, sagt sie, dieses Geformtwerden, nur um nachher auf der Bühne reibungslos zu funktionieren. Hätte Mama Hottinger nicht mit dem deutschen Bühnenverzeichnis gewedelt und ordentlich Druck gemacht, wer weiß …

Aber so schrieb Sophie Bewerbungen, kam ans Theaterhaus Jena und fand die Freude am Spielen wieder. Es folgten sechs Jahre Graz, dann Bern. 2010 war sie mit Viktor Bodos Inszenierung von Handkes Die Stunde da wir nichts voneinander wussten zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2014 arbeitete sie zum ersten Mal mit Claudia Bauer zusammen. In deren Faust-Inszenierung spielte Sophie einen der drei Mephistopheles‘ – auch hier arbeitete Bauer mit der Trennung von Sprache und Spiel – ein Mittel, das auch in den Leipziger Ermüdeten stilprägend ist.

Gerade probt Sophie mit Enrico Lübbe für die Silvester-Premiere Der nackte Wahnsinn, im neuen Jahr wird sie in Claudia Bauers nächster Inszenierung dabei sein. Metropolis hat am 5. Februar Premiere. Wir freuen uns sehr und wünschen schon mal gutes Gelingen und toitoitoi!


Und das sind Sophies Antworten auf unsere Fragebogenfragen:

persönlich

Berge oder Meer? _Meer
Kaffee oder Tee _Kaffee
Gerade einen Ohrwurm? _

Das Buch, das gerade auf deinem Nachttisch liegt? _Robert Walser Kurzgeschichten und Mascha Kaleko, Gedichte


theater!

Der beste Ort zum Textlernen? _im Park, im Wald.
Was haben deine Eltern zu deiner Berufswahl gesagt? _
Oh nein, nicht auch das noch! Bist du sicher? Wie wär’s mit Diplomatin?
Wann und wie den letzten Bühnentod gestorben?
_als King Lears ältestes Tochter, ich wurde erstochen.
Dein schönster Bühnensatz? _Leider löscht mein Hirn jeglichen Text, sobald das Stück abgespielt ist, damit Platz für neuen Text da ist ….


und leipzig so?

Dein erster Gedanke zu Leipzig? _Oh nee, Osten. Hier ist alles so flach!
Schon einen Lieblingsort in der Stadt? _Das Cantona
Auto, Rad oder Tram _Fahrrad
Schon etwas Merkwürdiges an den Leipzigern entdeckt? _Die sind ja noch langsamer als die Schweizer!


Wir sagen Dankeschön für den feinen Nachmittag und die Antworten und freuen uns auf Sophie auf der Bühne. Zum Beispiel ab Silvester in Der nackte Wahnsinn.