was macht eigentlich … melanie schmidli?

Die Ex-Centralspielerin (Im Pelz, We are blood u.a.) arbeitet frei und ist unter anderem mit ihrem Projekt Schooriil in der Hauptstadt unterwegs. Wir haben es leider noch immer nicht hin geschafft, aber mal nachgefragt, wie es so läuft in Berlin mit der … ähm … Scheißspielerei und trommeln ein bisschen für die nächste Show am 19. September.

Ohne perfektes Showreel geht nix im Filmbusiness, das wissen auch die beiden selbsternannten Scheißspielerinnen zu gut. Sie haben unbeirrt hunderte Demobänder von Kolleginnen studiert und nehmen nun gnadenlos alles aufs Korn, was Frau im Filmgeschäft von heute so aushalten muss für die Aussicht auf die richtig große Rolle, den internationalen Durchbruch. Von Selbstoptimierungswahn und -ausbeutung über Existenzängste bis zu Paarbeziehungen unter Leistungsdruck.

Projekt Schooriil © Kai Wido Meyer

Projekt Schooriil © Kai Wido Meyer

reihesieben: Nach drei Jahren am Centraltheater hast du 2011 Leipzig Richtung Berlin verlassen. Wir erinnern uns hier gern zurück – zum Beispiel an das großartige „Im Pelz“ oder einen Fischer und seine zauberhafte Frau – an was denkst du gern, an was nicht so gern zurück?

Melanie: An die großartigen Menschen, die ich in Leipzig kennen lernen durfte, erinnere ich mich sehr gern zurück! Das Ensemble war voller toller und starker Schauspielkünstler*innen, mit manchen bin ich immer noch befreundet. Und an einige tolle Produktionen, zwei davon hast Du schon genannt, aber z.B. auch an Abschaffung der Arten oder die Silvesterrevuen  erinnere ich mich gerne. Woran ich mich überhaupt nicht gerne erinnere ist die Fremdbestimmtheit, der du als Schauspieler*in ausgeliefert bist im Festengagement. Irgendwann hatte ich es satt, dass immer andere bestimmten, mit wem ich was wann arbeiten durfte. Da war für mich ganz klar, daß ich frei arbeiten und einen anderen Weg gehen will.

Melanie Schmidli in "Im Pelz" © Nils Broer

Melanie Schmidli in „Im Pelz“ © Nils Broer

reihesieben: Das Projekt Schooriil machst du zusammen mit Anne Haug seit Anfang 2013 – verarbeitest du da auch Erfahrungen aus den ersten, bestimmt nicht so leichten Jahren als freie Schauspielerin in Berlin?

Melanie: Wir verarbeiten da alles, wirklich alles. Auch unsere Erlebnisse im Festengagement werden satirisch beleuchtet, sowie natürlich die ewige Optimierung des Schooriils (Show Reels = Demo Band), die eine Schauspieler*in der Freien Wildbahn leisten muss. Wir beleuchten die Problematiken unseres Berufes unter einer feministisch-satirischen Brille und geben das, was sonst weh tut, dem Lachen preis.

reihesieben: Habt ihr euch in den nun schon 4 Jahren ein Stammpublikum erscheißspielen können? Wir hörten von einem besonders treuen Zuschauer aus Leipzig?

Melanie: Jaaa, wir haben ein wunderbares Stammpublikum, das auch zu weiten Teilen aus Schauspieler*innen besteht. Unsere Show ist mittlerweile immer ausverkauft, das ist natürlich großartig! Und dass » Werner jedesmal extra für uns nach Berlin reist ist unfassbar – er ist ein wahrer Serienjunkie!

reihesieben: Ihr nehmt wunderbar die Selbstvermarktung und -ausbeutung im Business auf die Schippe, es geht um Sex, Hässlichkeit, Existenzängste – Jetzt habt ihr die MILFs am Wickel – Was passiert in der nächsten Folge?

Melanie: Wir stellen uns unserem tickenden Unterbewusstsein, den Höhlen unserer alternden Uteri und widmen uns der wichtigsten Rolle im Leben einer jeden Frau: Mama! Mummy! Mum! Mami! Mutti! Mutter!

reihesieben: Und – letzte Frage – habt ihr beide denn auch ein echtes Showreel?

Melanie: Na klar, wir sind ja professionelle ungebundene Scheißspielerinnen. Die findet man auf den üblichen Netzwerken und unseren Websites. Aber viel unterhaltsamer finden wir natürlich die ganzen Schooriil-Videos aus unseren vergangenen Shows, die wir auf einer fancy Website für unsere Fans gesammelt haben – es lohnt sich zu stöbern.


» projektschooriil.de
Melanie Schmidli und Anne Haug
Aktuelle Folge: To MILF or not to MILF
19. und 20. September 2017 beim The Future Is F*e*m*a*l*e* Festival, Sophiensaele Berlin