Gerade hat er sein 30jähriges Bühnenjubiläum gefeiert, die Kritik bejubelt seine Kabarettabende und in nicht ganz zwei Wochen lädt er zum neuen Soloprogramm und an den Stand der Dinge: Meigl Hoffmann ist aus Leipzigs Kabarettszene nicht wegzudenken. Wir haben den Centralkabarettisten auf einen Kaffee getroffen …
von freistunden, selbstausbeutung und mutanfällen auf der pointenjagd – der centralkabarettist meigl hoffmann
den augenblick ergreifen – sebi hartmanns schmerzhaft-grandioser theaterbildersturm in dresden
All that we see or seem … wie so vielen Sebi-Hartmann-Abenden steht auch diesem am Staatsschauspiel Dresden das Edgar Allen Poe Zitat voran. Und wie Träume aus Träumen lösen sich dann schemenhaft die Spieler aus dem waschküchen-dichten Nebel, verharren kurz an der Rampe und verschwinden wieder. Genauso werden sich in den nächsten 2¾ Stunden Bruchstücke aus Dostojewskis Roman aus dem Bühnengewusel schälen, nur scheinbar zusammenhanglos, eindringlich und verstörend und nervig, schön und hässlich zugleich, und sich dann gleichsam wieder darin auflösen, bis die Spieler sich todesmutig in die nächste Szene stürzen.
allesamt gespenster! – philipp preuss lädt mit ibsen & schreber zur geisterstunde
Nebelschwaden wabern über die düstere Bühne, in ihnen verfängt sich spärliches Licht, aus Gemälden blicken ernst und stumm die Figuren herab, durch die Türen huschen Gestalten, über die Wände irrlichtern ihre Abbilder und Wiedergänger und vor dem Vorhang aus schwarzer Gaze ergeht sich ein junger Mann aus guten Hause seltsam klar in Wahnvorstellungen von belebten Strahlen, von zweierlei Gottheiten, von verirrten, in Singvögel gewunderte Seelen, von Zwangszuständen und vom eigenen Körper, der zu dem einer Frau mutiert.
der hinterbühnen-könich – roman kanoniks hinreißendes gogol-solo tagebuch eines wahnsinnigen
Schade, dass sich am Sonntagnachmittag nur so wenige Zuschauer auf der Hinterbühne versammelt haben, über die eigentlich eine Vorstellung von „89/90“ gehen sollte. Dann aber auch irgendwie wieder nicht. Denn der große, weitgehend leere Raum passt ganz und gar wunderbar zur Solo-Show des kleinen Beamten mit den übergroßen Phantasien aus Gogols Tagebuch eines Wahnsinnigen – der Inszenierung von Kristina Seebruch mit Roman Kanonik, die dankenswerterweise und nicht zum ersten Mal als Ersatzvorstellung einspringt.
beckmann am herzschlagzeug – draussen vor der tür am staatstheater nürnberg
Draussen ist es kalt. Und doch herzenswarm: Sascha Hawemann hat Wolfgang Borcherts ureigenes Drama vom Soldaten, der nach Hause kommt und doch nicht nach Hause kommt, im Wortsinn geerdet und gleichzeitig zart abheben lassen; es überschrieben und fortgeschrieben und ihm einen wütenden Herzschlag aus donnernden Schlagzeugbeats verpasst.
der spaziergang – drei schweizer auf gastspiel am schauspiel leipzig
Vermutlich hat so mancher Theaterfreund die Stimme von Jürg Kienberger schon unbewusst gehört: Jahrelang lief in der Warteschleife des Kassentelefons der Volksbühne seine Interpretation des Liedes „Danke“ aus Marthalers Murx-Inszenierung. Seit ein paar Jahren kommt Kienberger zu Gastspielen nach Leipzig …
ich regier doch nur ein bisschen – ubu on the top am schauspiel leipzig
Wir haben es geahnt: Gierige und gewissenlose Zeitgenossen kommen einfach nicht aus der Mode. Alfred Jarrys absurdes Stück über den gefräßigen Vater und die machtgeil-kalkulierende Mutter Ubu ist nun schon über 100 Jahre alt und steckt doch so voller aktueller Bezüge, dass eine plumpe Aktualisierung absolut überflüssig ist. Claudia Bauer erzählt die Geschichte denn auch als herrlich groteske Revue, um hernach den Verbrecher mit Simon Stephens‘ Fortschreibung Ubus Prozess vor den internationalen Strafgerichtshof zu stellen. Für ein Schlussplädoyer, bei dem es einem dann doch kalt den Rücken herunter läuft.
mehr als kunstvolle musik und schöne bilder – aida an der oper halle
Ein wahrer Opernfreund ist unser Autor Thomas Pannicke nicht. Dass es ihn dennoch im letzten Jahr so oft in ein Opernhaus verschlagen hat, wie in den 50 Jahren zuvor zusammengenommen, ist die „Schuld“ der Oper Halle. Letzte Woche gab es dort Aida und die Erwartungen wurden wieder einmal nicht enttäuscht.