Schade, dass sich am Sonntagnachmittag nur so wenige Zuschauer auf der Hinterbühne versammelt haben, über die eigentlich eine Vorstellung von „89/90“ gehen sollte. Dann aber auch irgendwie wieder nicht. Denn der große, weitgehend leere Raum passt ganz und gar wunderbar zur Solo-Show des kleinen Beamten mit den übergroßen Phantasien aus Gogols Tagebuch eines Wahnsinnigen – der Inszenierung von Kristina Seebruch mit Roman Kanonik, die dankenswerterweise und nicht zum ersten Mal als Ersatzvorstellung einspringt.
der hinterbühnen-könich – roman kanoniks hinreißendes gogol-solo tagebuch eines wahnsinnigen
beckmann am herzschlagzeug – draussen vor der tür am staatstheater nürnberg
Draussen ist es kalt. Und doch herzenswarm: Sascha Hawemann hat Wolfgang Borcherts ureigenes Drama vom Soldaten, der nach Hause kommt und doch nicht nach Hause kommt, im Wortsinn geerdet und gleichzeitig zart abheben lassen; es überschrieben und fortgeschrieben und ihm einen wütenden Herzschlag aus donnernden Schlagzeugbeats verpasst.
der spaziergang – drei schweizer auf gastspiel am schauspiel leipzig
Vermutlich hat so mancher Theaterfreund die Stimme von Jürg Kienberger schon unbewusst gehört: Jahrelang lief in der Warteschleife des Kassentelefons der Volksbühne seine Interpretation des Liedes „Danke“ aus Marthalers Murx-Inszenierung. Seit ein paar Jahren kommt Kienberger zu Gastspielen nach Leipzig …
ich regier doch nur ein bisschen – ubu on the top am schauspiel leipzig
Wir haben es geahnt: Gierige und gewissenlose Zeitgenossen kommen einfach nicht aus der Mode. Alfred Jarrys absurdes Stück über den gefräßigen Vater und die machtgeil-kalkulierende Mutter Ubu ist nun schon über 100 Jahre alt und steckt doch so voller aktueller Bezüge, dass eine plumpe Aktualisierung absolut überflüssig ist. Claudia Bauer erzählt die Geschichte denn auch als herrlich groteske Revue, um hernach den Verbrecher mit Simon Stephens‘ Fortschreibung Ubus Prozess vor den internationalen Strafgerichtshof zu stellen. Für ein Schlussplädoyer, bei dem es einem dann doch kalt den Rücken herunter läuft.
mehr als kunstvolle musik und schöne bilder – aida an der oper halle
Ein wahrer Opernfreund ist unser Autor Thomas Pannicke nicht. Dass es ihn dennoch im letzten Jahr so oft in ein Opernhaus verschlagen hat, wie in den 50 Jahren zuvor zusammengenommen, ist die „Schuld“ der Oper Halle. Letzte Woche gab es dort Aida und die Erwartungen wurden wieder einmal nicht enttäuscht.
morgen premiere …
… und ein bisschen siehts nach Splendids aus, oder? Claudia Bauer kombiniert Alfred Jarrys König Ubu mit Simon […]
no way back – die leipziger uraufführung verortet heinz helles endzeitparabel in einer turnhallen-wirklichkeit
Heinz Helle erzählt in eigentlich müssten wir tanzen von einer Gruppe schon etwas in die Jahre gekommener Jugendfreunde, die nach einem winterlichen Berghüttenwochenende in die Zivilisation zurückwollen und eine komplett zerstörte Welt vorfinden – in Schutt und Asche, leichenübersät. Wir folgen dem Ich-Erzähler und seinen vier Kumpels, die seltsam gefühlskalt und schicksalsergeben durch die postapokalyptische Landschaft streifen. Getrieben von einem nicht tot zu kriegenden Überlebenswillen, aber ohne Ziel und die notwendigen Überlebensfähigkeiten: Wie in einem Kinderabzählreim dezimiert sich die Gruppe.
abstimmungsendspurt: leipziger peer gynt for nachtkritik-theatertreffen
Bis zur Bekanntgabe der Einladungen zum „richtigen“ Theatertreffen nach Berlin dauert es noch ein paar Tage, auf nachtkritik.de […]