kurz reclamiert: die iphigenie aus oberhausen

Gastspiele können eine Ergänzung des Repertoires eines Stadttheaters sein, können den Spielplan bereichern, Abwechslung bringen und ungewohnte Regiehandschriften zeigen. Beispiele dafür hat es in den letzten Jahren auch in Leipzig mehrfach gegeben.

Iphigenie aus Oberhausen © Andrea Engelke

Iphigenie aus Oberhausen © Andrea Engelke

Die „Iphigenie auf Tauris“ aus Oberhausen (in Leipzig am 26. und 27.4.2016) erfüllt diesen Anspruch leider nicht. Parallel zu diesem Gastspiel zeigt das Schauspiel Leipzig in Oberhausen „Antigone“ und das ist ein durchaus passender Tausch, nicht nur, weil in beiden Stücken antike Themen behandelt werden. Die Oberhausener Arbeit passt sehr genau in das Konzept der Leipziger großen Bühne, klassische Texte in Inszenierungen zu zeigen, die sich nur auf den Text konzentrieren. (Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es mittlerweile ein paar Ausnahmen von dieser Regel gibt, zum Glück.)

Regie hat Sarantos Zervoulakos geführt, der sich hier in Leipzig vor zwei Jahren mit einer „Hedda Gabler“ vorgestellt hat. Die Iphigenie ist allerdings eine frühere Arbeit, Premiere war im Februar 2011, die Inszenierung ist in Oberhausen bereits abgespielt. Es gibt eine Parallele zu „Hedda Gabler“ – auf der Bühne dominiert ein großes Sofa. Das wichtigste Bühnenelement außer den Sitzmöbeln sind Unmengen an gelben Reclam-Heftchen, die den Hintergrund der Bühne vollständig bedecken. Ein Schelm, wer dabei daran denkt, daß „Iphigenie“ ja Schullesestoff ist …

Die Schauspieler, die natürlich ihren Text tadellos aufsagen, sitzen dazu nicht nur auf Sofa und Sesseln, ab und an stehen sie auch auf und es gibt sogar ein paar Interaktionen zwischen ihnen. Offen bleibt die Frage, warum der Regisseur den Text auf die Bühne gebracht hat. Um dem Schüler und anderen Goethefreunden den Text in knapp 80 Minuten gut verdaulich zu präsentieren? Würde da nicht auch die Hörbuchvariante reichen? Ja, ich sehe ein, es gibt Theaterfreunde, die solche Inszenierungen schätzen. In Leipzig scheinen es aber nicht sehr viele zu sein, denn am ersten Abend des Gastspiels blieben doch etliche Plätze leer.


» Iphigenie auf Tauris, Theater Oberhausen
Noch einmal heute Abend, 19:30 Uhr, Große Bühne.

 

 

 

 

theatertreffen-einladung für schauspiel leipzig jugendclub

Sorry, eh … aber wir fahren nach Berlin! Der so benamste Jugendclub des Schauspiel Leipzig kann mit einer Einladung zum  » Theatertreffen der Jugend aufwarten. Die Produktion » Wunderland ist als eine von acht aus 104 Bewerbungen ausgewählt worden.

Szene aus  dem Wunderland  (c) Rolf Arnold

Szene aus dem Wunderland (c) Rolf Arnold

Die Inszenierung (Leitung: Yves Hinrichs) basiert auf „Wunderland“ und „Girlsnightout“ von Gesine Danckwart, deren Figuren „nahezu schwerelos immer wieder aus dem literarischen Mosaik des urbanen Neben-, Gegen- und Miteinanders“ auftauchen und so „das Abbild einer grausamen, aber auch vielversprechenden Großstadtrealität“ entstehen lassen.

Das Treffen für Jugendliche, die an Schulen, in Theater-AGs oder freien Gruppen eigene Produktionen erarbeitet haben, findet schon zum 37. Male vom 3. bis 11. Juni in Berlin statt. Unsere Clubber erwarten dort neben den Aufführungen ein Austausch mit den Zuschauern und anderen Teilnehmern und verschiedene Theaterworkshops.