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wer bin ich und wenn ja, warum?

Ein Mädchen, verirrt zwischen lauter Fremden am überfüllten Strand. Ein Bub, der  auf der Flucht 1941 Freunde, Hund und Großmutter zurücklassen muss. Die Eltern im Auto auf der Flucht nach Deutschland. Der kleine Sohn in einem Berliner Jetzt, der wissen will, warum er lebt. Vielstimmig ist die Familiengeschichte, die Marina Frenk in ihrem ersten Roman zum Klingen bringt – voll gelebten Lebens zugleich wissend und suchend und sehr berührend.

berlin, berlin, wir fahren nach berlin – und zurück!

Was haben wir Leipziger Theatergänger nicht gejammert: nach halb zehn Uhr Abends unter der Woche kein Zug mehr aus der Hauptstadt zurück nach L., am Wochenende nur der RE-S-Lumpensammler, in dem man sich die halbe Nacht um die Ohren schlagen muss – das schien gottgegeben und erhöhte die Zahl Theaterabend-Unmöglichkeiten arg. Nun ist offenbar Besserung in Sicht.

zweimal shakespeare magisch und figürlich im westflügel

Zu den Orten, die nur selten im Fokus der Öffentlichkeit stehen, an denen aber die Magie des Theaters immer wieder erlebt werden kann, gehört der Lindenfels Westflügel. Im Januar bot sich dort die Gelegenheit, zwei Produktionen des Figurentheaters Wilde & Vogel zu erleben, die schon seit einiger Zeit im Repertoire sind. Es sind zwei Inszenierungen, die auf Stücken von Shakespeare beruhen, mit diesen Texten aber auf eine ganz eigene Art umgehen.

große oper: konwitschny mit müller & dessau in thüringen

Für Leipziger Opernfreundinnen und Opernfreunde gab es 2019 gute Gelegenheit, Inszenierungen von Peter Konwitschny im Bühnenbild von Helmut Brade zu sehen, ohne weit reisen zu müssen. Bei den Händelfestspielen in Halle hatte Händels „Julius Cäsar in Ägypten“ Premiere – eine sehr sehenswerte Arbeit, die weiterhin im Spielplan der Oper Halle steht. Der eigentliche Knüller aber ereignete sich in Thüringen. In einer Koproduktion der Theater Weimar und Erfurt kam Paul Dessaus „Lanzelot“ auf die Bühne, ein Werk, das 1969 uraufgeführt wurde, seit 1972 aber nicht mehr zu sehen war.

zu kurz gesprungen, hase – die neue schauspiel-komödie kann nicht so recht überzeugen

Dass das hier wohl nicht nur ein lockerleichter Boulevard werden soll, sieht man auf den ersten Blick. Dafür hat das Zuhause der Familie Dowd, das sich später in ein Sanatorium (und zurück) verwandelt, eindeutig schon bessere Tage gesehen: die Oberlichter sind verdreckt und lassen nur noch diffuses Licht ein, Laub weht über den Boden, an den Wänden bröckelt der Putz. Und auch sonst scheint etwas nicht zu stimmen mit diesen Räumen, die – unbemerkt von den Figuren in Mary Chases Komödie – ganz eigene Rollen spielen. Leider ist das aber auch schon ziemlich das Interessanteste in der Inszenierung Mein Freund Harvey am Schauspiel Leipzig.

Wissen Sie, Herr Doktor, ich habe mich jahrelang mit der Wirklichkeit herumgeschlagen, und ich bin froh, sagen zu können, dass ich sie endlich überwunden habe.

Elwood P. Dowd, Mein Freund Harvey

schwarzes gold und schwarze lunge – kroesinger untersucht die kohlegeschichte und -gegenwart der region

Wie Bewohner einer entfernteren Zukunft kommen sie in den Tagebau, der in der Diskothek des Schauspielhauses eher an einen lang gestreckten Stollen erinnert. Die sechs Spieler rollen ein auf den Schienen, wie sie einst dem Kohleabtransport dienten, in weißen Overalls, sich neugierig umblickend: was haben die Generationen vor ihnen hier in und mit der Erde gemacht? Am Freitag hatte Brennende Erde Premiere – in seinen stärksten Momenten stellt der Abend die richtigen Fragen und macht das Braunkohle-Drama der Region tatsächlich erfahrbar.