schöne bescherung! – feine weihnachstgespinste bei kitsch und krempel

Kitsch & Krempel ist zurück! Für die Christ-Nachtvorstellung haben sich die Verrückten, Komödianten und Entzückten am letzten Freitag im Rangfoyer zusammengefunden. Schon zum achten Mal präsentiert Brian Völkner die Schauspiel-Hausmusik im allerbesten Sinne. Kaum im Vorverkauf, sind die Tickets auch schon weg wie heiße Semmeln. Und natürlich hat sich der Master of Kitsch und Chief-in-Krempel auch dieses Mal liebe Gäste eingeladen.

Der Chief in Krempel Brian Völkner setzt die Balalaika schachmatt © Rolf Arnold

Schachmatt, denn er spielte so gut – Chief in Krempel Brian Völkner © Rolf Arnold

Manche gehören schon zum Inventar, andere – wie zum Beispiel Thomas Braungardt – sind das erste Mal dabei, alle haben sie kleine Geschichten im Gepäck, Weihnachtserinnerungen und natürlich Lieder Lieder Lieder! Musikalisch gewohnt schmerzfrei geht es da froh und munter von Rio Reiser über Lindenberg bis zu Tocotronic. Da wird’s – ganz klar – weihnachtlich, selbstredend kitschig, nachdenklich, auch und zwischendurch ein bisschen böse und augenzwinkernd konsumkritisch. Und persönlich! Ohne diesen Abend hätten wir nie erfahren, was für ein Trauma eine gelbe kratzige Wollstrumpfhose in Dirk Langes zarter Kinderseele hinterlassen hat oder warum Thomas Braungardts kleine Schwester nie der Weihnachtsmann sein durfte.

Andreas Dyszewski bringt Santa Claus to town und den Winter nach Kanada; Krempel-Allstar Annett Sawallisch gurgelt (!) Weisst du wie viel Sternlein stehen, swingt mit Sinatra und macht uns mit Heidschi Bumbeidschi dann schon ein bisschen Vorweihnachts-Gänsehaut. Dirk Lange ist nach den fünf obligatorischen Jägermeistern ein famoser Weihnachstmann, der mit herrlich trockenem Humor Geschenke an die Mitspieler (Häkelmützen!) und ans Publikum (5 Theatertickets für 80 Leute!) verteilt. Leider leider hat er nächsten Sonntag schon was vor. Hätten wir sofort gebucht. Anna Rot  – als Gast in Gewonnene Illusionen zu sehen und aus Wien angereist – singt mit viel Seele den Walzer für Niemand und mit feinem Wiener Schmäh Rainhard Fendrichs Tango Corrupti. Was die für Lieder ausgraben! (Und doch recht bedenklich, welche Texte man noch mitsingen kann).

© Rolf Arnold

Niemand, ich habe Geschenke für Dich … Anna Rot © Rolf Arnold

Wir haben leichte Waffen
Um Gespinste zu erschaffen

Aber wie immer stehen nicht nur Schauspieler auf der Bühne. Heribert Weitz vom Ton übernimmt die Percussion; der Klavierstimmer des Hauses singt bei seinem zweiten Bühnenausflug Udo Lindenberg und Sebastian Hubel kommt mit Hawaiihemd und Kreislers Wenn alle das täten aus seiner Requisite gebadelatscht.

Wen auch immer Brian an Piano oder Akkordeon begleitet, immer ist er ganz einfühlsam und mit Verve und Herz dabei. Dass er das Ding auch rocken kann, zeigt der Schauspieler mit (dem unvermeidlichen ;-) Roland Kaiser des Abends. Schon mal Schachmatt in Highspeed auf der Balalaika gehört? Sensationell.

Wenn das alle täten © Rolf Arnold

Alle tuns nicht, wohl aber Requisiteur Sven-Sebastian Hubel © Rolf Arnold

Die Songs erzählen mit viel Charme und Witz beseelte kleine Geschichten, der Kunstschnee rieselt, die Krempel-Band rockt, das Solo-Saxophon swingt. Wie nebenbei bringt ein solcher Abend die Schauspieler so viel näher an ihr Publikum und dazu noch die verschiedensten Gewerke des Hauses zusammen. Die Spieler werfen sich wahlweise in dicke Pelze (gegen den russischen Winter) oder in moderesistente Wollpullis (wie früher) und haben ganz offensichtlich genauso viel Spaß wie die Zuschauer beim Warten auf die Bescherung. Für wen wohl die gelbe Strickstrumpfhose ist?

Ach, das leuchtet, menschelt, lebt so schön – We say: play it again, Brian! Vielleicht sogar ein bisschen öfter? Und natürlich: have yourself a merry little christmas time!


» Kitsch&Krempel
Mit Brian Völkner und Gästen.
Das nächste Mal voraussichtlich im Frühjahr 2018

Wer jetzt neugierig geworden ist auf’s reale Bühnenleben der Kitsch&Krempler: Thomas Braungardt und Brian Völkner proben gerade an Heinz Helles Endzeittext eigentlich müssten wir tanzen. Premiere ist am 20. Januar in der Diskothek. Brian ist ebenda schon morgen in der Wiederaufnahme von Minusmensch zu sehen – » ein schöner Abend – und er macht über Weihnachten Musik in der Jurte im Zoo bei Die zwölf Monate. Andreas Dyszewski ist in Prinzessin Hamlet am kommenden Samstag zu sehen und am 30. Dezember in geister sind auch nur menschen» auch ein schöner Abend! Die nächste Premiere hat er am 10. Februar Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor. Da spielt dann auch Dirk Lange mit, wer nicht so lange warten mag, kann den Schauspieler zum Beispiel schon am 1. Weihnachten in Gott des Gemetzels bewundern kommen. Anna Rot ist erst im April in Gewonnene Illusionen wieder in Leipzig zu sehen und Annett Sawallisch steht am Freitag in Kasimir und Karoline und um die Weihnachtstage in » Der gelbe Nebel auf der Bühne.  So. Wisster Bescheid.