Macbeth | Staatsschauspiel Nürnberg

ich habe die tat getan – philipp preuss‘ drückt bei macbeth auf die repeat-taste

Schon vor Beginn öffnet und schließt sich der rote Vorhang rasch und wie von Geisterhand vor dem immer gleichen – und immer neuen – Drama und nimmt so die Idee dieses eigenwilligen Abends vorweg: Denn Philipp Preuss genügen für seinen Macbeth am Staatsschauspiel Nürnberg die beiden ersten der fünf Akte, die allerdings dekliniert er in einem mörderischen Reigen aus Machtgier und Bluttat wieder und wieder (und wieder) durch.

Heil dir, Macbeth, dir, künft’gem König, Heil!

 

© KONRAD FERSTERER

Im goldenen Spiegelkabinett der © KONRAD FERSTERER

Einen von goldenen Vorhängen begrenzten Spielraum hat Ramallah Aubrecht für diesen Reigen geschaffen. Ein sehr abgeschlossener, reduzierter Raum: schwere Goldbahnen um das Zentrum der Macht, an dessen Rändern man die Bäume der Woods of Birnam erahnt. Boten des Todes für diesen Macbeth, der gerade noch loyaler Feldherr war und qua Hexen-Weissagung und ehrgeizigem Weibe zum Königsmörder und bald darauf zum wahnsinnigen Tyrannen wird. Golden scheint auch der glatte Boden und spiegelt die Eitelkeiten im Macht-und-Mord-Karussell, während am Flügel im Hintergrund der Narr (oder der Tod) die Töne anspielt, zu denen vorn bald alle tanzen.

Ein vielstimmiger, körperloser Chor, ein Raunen hebt immer wieder an und flüstert den Menschen Böses ein. Und davor ist keiner gefeit: Schnell ist der Mordplan geschmiedet und prompt in die Tat umgesetzt. Doch kaum sitzt die Krone auf dem nächsten Kopf, loopt die Szenerie: Wer gerade noch gemeuchelter König war, geht als Mörder Macbeth in die nächste Runde. Bald schon klebt an allen Händen Blut. Dabei sehen wir nur scheinbar immer dasselbe: Mal kommt ein wenig Shakespeare-Text hinzu, dann wechseln mit den Kostümen die Epochen wie im Zeitraffer. Und genau diese Eindampfung und die subtil variierte Wiederholung lassen ganz erstaunliche Facetten in der fiesen Fratze Machtgier erkennen.

 

© KONRAD FERSTERER

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Was immer gleich bleibt sind Mordtat und Antrieb. Und so konsequenterweise auch Lady Macbeth, die einzige durchgezogene Rolle in diesem Schatten-Kabinettstück. Lisa Mies (dem Leipziger Publikum sicher noch ein Begriff) spielt diese Einflüsterin zwischen überlegter Verführung und heißer Gier. Auch ihre Kostümierung macht verschiedenste Metamorphosen durch – sauber aber bleibt auch sie nicht. Gen Ende, wenn sich die Leichen des Abends in der Bühnenmitte zu einem Berg aus Leibern türmen, steht sie blutüberströmt da, das Objekt allen Begehrens – die Krone – wie ein zu heißes Stück Kohle in den Händen wendend.

Heil dir, Macbeth, der du bald König gewesen sein wirst

So austauschbar hier Täter und Opfer, so wenig sind es die Spieler. Mit Julia Bartolome, Yascha Finn Nolting, Raphael Rubino und Felix Mühlen stehen da Typen auf der Bühne, die ihren Figuren Runde um Runde neue Nuancen geben und sich im immer Gleichen ihre Eigenwilligkeiten zu bewahren wissen. Dass das (noch) zu zögerlich geschieht, ist das Manko des Abends. Zu verhalten ist das Spiel und teils auch zu schnell die Spieler  durch die Szenen, um sich nachdrücklich einzuschreiben in diese artifizielle Goldbahnenbühnengeschichte und den Reigen zu einem echten Sog werden zu lassen.

 

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Wer sich in diesem bestimmt nicht ganz einfachen Setting seinen Raum zu nehmen weiß, ist Sascha Tuxhorn. Der gibt den Narren, den Pförtner und den Tod als großartig abgründiges Zwischenwesen, das in dieser Horrorstory die (Blut)fäden zu ziehen scheint, wenn er sie nicht sogar gerade live-on-stage und nur für uns erfunden hat. Und der uns am Ende ganz in Narrenart den Spiegel vorhält – im goldenen Glitzer-Mantel, alle Kronen auf dem Kopf und gleichzeitig den eigenen, abgeschlagenen Kopf in der Hand: Ein schwarzer Puck, des Wahnsinns Meisterwerk: Es war einmal ein Tyrann …


» Macbeth
William Shakespeare. Regie Philipp Preuss. Bühne und Kostüme Ramallah Aubrecht. Musik Kornelius Heidebrecht. Video Konny Keller. Licht Kai Luczak. Mit Julia Bartolome, Lisa Mies, Yascha Finn Nolting, Raphael Rubino, Sascha Tuxhorn und Felix Mühlen. Premiere am 8. Dezember 2018.

Next shows: 21. und 30. Dezember sowie am 10., 13., 19. und 24. Januar 2019