Völlig ausgebucht! | Diskotheksfoyer, Schauspiel Leipzig

bleiben sie bitte kurz dran? – in der warteschleife mit denis petković

Alexa, Christmas Vibes! Denis Petković schlängelt sich durch die Zuschauertische zu einer Art Rezeption mit Telefon und einem (etwas aus der Zeit gefallenen) Reservierungsbuch. Er ist Sami, der im Kellergeschoss eines Berliner Promis-Ladens hockt und die chaotische Reservierungshotline im fest Griff hat: Die Hauptfigur in Betty Modes One-Man-Stück, das Kristina Seebruch für den späten Abend und im intimen Rahmen charmant,, gescheit und äußerst amüsant in Szene gesetzt hat.

 

Denis Petkovic in Völlig ausgebucht © Rolf Arnold

Denis Petkovic in Völlig ausgebucht © Rolf Arnold

Das ist der Mann fürs Leitungs-Chaos: An diesem Sami muss man – zumindest telefonisch – vorbei, wenn man Wolfgang Joop und Barbara Schöneberger über sein omniveganes Menü hinweg zublinzeln möchte. Und das ist nicht ganz leicht, denn Sami schickt ausnahmslos jeden Anrufer mit einem jovialen Können Sie bitte einen Augenblick dranbleiben? zuerst mal in die Warteschleife. Und dann jongliert er mit mindestens fünf Leitungen gleichzeitig – und mit noch viel mehr Befindlichkeiten seiner Anrufer.

Becky Modes Text ist eine bitterböse und hochkomische Studie über Wichtigtuer und die Wichtigkeits-Nichtigkeits-Bedeutungsverschiebung unserer Zeit, über fragwürdiges Statusgehabe, Schein und Sein und darüber, wie man so miteinander umgeht im Machtgefälle der gesellschaftlichen Eitelkeiten. Vor allem aber ist er eine Steilvorlage für einen Spieler wie Denis Petković.

Hier ist Sami, guten Tag … Klick Klick …Würden Sie bitte einen Augenblick … Klick …  Äußerst virtuos, zwischen charmant und verzweifelt und in einem atemberaubenden Tempo wechselt er die Rollen, Akzente und Dialekte. Ein Headset auf dem Kopf, springt er wie ein Derwisch zwischen Schreibtisch, Bar und der Gegensprechanlage hin und her – denn als wären seine Möchtegern-Gäste nicht genug, wollen auch Service und Küche oben ständig was vom „Mann für alles“, der im Zweifel auch das Damenklo putzt, um nur fünf Minuten später einen Gast mit einer Live-Performance von Für mich soll es rote Rosen regnen glücklich zu machen. Petković mimt den geltungssüchtigen E-Promi, den cholerischen Boss und den umtriebigen Kollegen; hat das Drohgebahren des Russenmafiosi genauso drauf wie das Des-wird-doch-wohl-koan-Problem-sein des VIP-Assistenten und die Willmersdorfer Witwe, die auf ihrem Senioren-Card-Rabatt beharrt.

Trotz aller Sprachakrobatik und Komik rutscht der Abend aber nicht ins Eindimensionale. Denn durch die so sparsam wie klug eingesetzten Mittel – so ‚wärmt‘ hier nur ein virtueller Kamin und Alexa ist vermutlich nicht nur für die Christmas-Vibes zuständig – wird noch einmal eine andere emotionale Ebene eingezogen. In kleinen Andeutungen und Gesten und mit viel Gespür für Zwischentöne bekommt dieser Mr. Hot-Line eine schöne Lebendigkeit und genau die richtige Fallhöhe, um dem großen Amüsement auch noch ein paar ernsthaftere Nach(t)gedanken folgen zu lassen.

Und so bringt auch die zweite Arbeit von Kristina Seebruch (nach dem sehr sehenswerten » Tagebuch eines Wahnsinnigen mit Roman Kanonik auf der Hinterbühne) verdammt gute Vibes, diesmal ins Diskotheksfoyer und ist absolut to plan. (Dieser Insider sei uns verziehen.) Dranbleiben!


» Völlig ausgebucht
Von Becky Mode. Regie Kristina Seebruch. Bühne und Kostüme: Lisa Kruse. Dramaturgie: Georg Mellert. Bühnenmeister/Licht: Thomas Kalz. Mit Denis Petković.

Next shows: 13. und 30. Dezember und 11. Januar jeweils 22 Uhr im Foyer der Diskothek, Schauspiel Leipzig