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deutsche demokratische defizite – eine herkunftslücken-performance am lofft

Denen, die 1989 oder 90 noch in oder kurz nach der DDR auf die Welt kamen, ist quasi schon bei der Geburt ein Stück Heimat abhanden gekommen. Wie es ist, wenn es das eigene Geburtsland nicht mehr gibt, es aber natürlich trotzdem überall in der Kindheit spürbar ist, versucht Adele Dittrich-Frydetzki in ihrer Performance am Lofft erfahrbar zu machen und dabei ein paar ihrer biographischen Leerstellen zu füllen.

kein wunder geschehe – hawemann lotet in bonn nicht nur familäre schmerzgrenzen aus

Neuer Abend, neue Stadt, neues Theater – nach Sascha Hawemanns Dämonen-Premiere in Dortmund sind wir gleich noch ein Stück weitergereist: Am Bonner Schauspielhaus läuft seit Oktober eine Inszenierungdesselben Regisseurs. Vor Sonnenaufgang (in der Übertragung von Ewald Palmetshofer) ist ebenfalls eine großer Schauspielerabend, aber ein ganz anderer …

vor uns die sintflut – die mülheimer titanic will nicht untergehen

Im Mülheimer Theater an der Ruhr spielen die Enzensbörger fröhlich zum Untergang auf, während die Welt sich rückwärts immer weiter dreht und helle Spots die dunkelsten Ecken des Seins ausleuchten. Angerichtet hat diese düster-kluge Hans-Magnus-Enzensberger-Karussellfahrt der Leipziger Hausregisseur Philipp Preuss.

die metaphern wegfegen – dostojewski als entfesseltes und fesselndes ensembletheaterfest

Da rennen sie. Von der Bühnenmitte in breiter Front an die Rampe, bremsen abrupt, um gleich zurück zu hasten. Und noch einmal und wieder. In Dostojewskis Dämonen ist jeder angetrieben von den eigenen bösen Geistern, und beinahe keiner weiß, wohin eigentlich in den sich rasch wandelnden Zeiten. Dieses Irren und Suchen ist das Grundmotiv in Sascha Hawemanns Inszenierung, der den 1000-Seiten-Wälzer so größenwahnsinnig wie streitbar und genial auf die Dortmunder Schauspielbühne gestellt hat.

woher wohin warum – gordon kämmerer feiert in der disko eine rumänisch-globale party

Die Übersetzerin des berühmtesten rumänischen Autors ist ein Mann … Ziemlich früh am Abend fällt dieser Satz. Einer, über den man stolpert, der ahnen lässt, dass da noch was lauert hinter den Worten. Einige solcher Widerhaken hat Alexandra Pâzgu da in ihren Text gestreut. An denen kann man durchaus schön hängenbleiben – so richtig weh tut das allerdings meistens nicht. Aber erstmal zurück auf Anfang.

nachklapp | cristiana morganti auf der schauspielbühne

Die 29. Ausgabe der euro-scene bot wie gewohnt eine interessante Mischung von Gastspielen aus verschiedenen europäischen Ländern im Bereich Tanz und modernes Theater. Einer der Höhepunkte aus meiner Sicht war dabei das Gastspiel der italienischen Tänzerin Cristiana Morganti.

viel mehr als nur illustration: die abenteuer des wohl bekanntesten insulaners

An vielen Theatern werden Romane auf die Bühne gebracht. Auch die Seebühne Hiddensee hat sich diesem Trend angeschlossen und passenderweise den klassischen Inselroman gewählt: Robinson Crusoe. Wieder einmal ist ein typischer Seebühnen-Abend für einen Schauspieler (Karl Huck) und viele Puppen entstanden, der eine bekannte Geschichte neu interpretiert.

keiner ist eine insel – robert borgmanns bunt-giftiger hoeullebecq am be

Eine Insel ist möglich, heißt es irgendwann im Houellebecq’schen Text. Eine Insel der Liebe in unserem vergifteten Weltenwahnsinn. Robert Borgmann und Team treten den Gegenbeweis an und machen aus dem Roman in Berlin eine popartbunte wie tiefschwarze Obduktion unserer heutigen Gesellschaft und ihrer Zukunftsträume.