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ein allererstes letztes mal und der iffland-ring: reihesieben guckt gotscheff

Manchmal ist ein allererstes Mal auch das allerletzte: Ein kurzes Eintauchen in eine Welt, die gleich darauf untergehen wird. So ist das mit uns und Dimiter Gotscheff. Sein Immer noch Sturm erlebte am vergangenen Freitag seine allerletzte Aufführung – eine Dernière und zugleich die erste Gottschef-Inszenierung, die wir je gesehen haben (werden). Dazu eine ganz besondere Vorstellung: hat doch Hauptdarsteller Jens Harzer am selben Tag den Iffland-Ring bekommen. Wir sind sehr wehmütig, aber zugleich auch über die Maßen froh und dankbar, diesen in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Abend gesehen zu haben.

höchstvergnügliches containern in der disko

In der Regie von Miguel Abrantes Ostrowski hatte am letzten Samstag die Studio-Inszenierung Premiere in der Diskothek. Es ging um nicht weniger als das verschwundene goldene Kalb, kollektiven Irrsinn und die Macht der Behauptung und hat – das vorab – ziemlich fett Spaß gemacht.

everything’s not lost – meyerhoff-solo zu gast an der volksbühne

Aus der Not eine Tugend: Ein Jahr ist seit Chris Dercons Abgang von der Volksbühne vergangen, seit April 2018 versucht Interimsintendant Klaus Dörr den Kahn wieder flott zu kriegen – unter anderem lädt er Gastspiele ein, für die man sonst weiter bis viel weiter hätte reisen müssen: So kommt Ende März z.B. die Dernière vom „Immer noch Sturm“ aus Hamburg in die Hauptstadt, das Schauspiel Hannover ist mit „Der Auftrag“ und „Die Edda“zu sehen und gerade war das Wiener Akademietheater mit dem Joachim-Meyerhoff-Solo „Die Welt im Rücken“ zu Gast. So ein Glück!

allen leuten recht getan … ein gespräch mit r7-autor thomas pannicke zum aus für intendanten florian lutz

Der Vertrag mit Opernintendanten Florian Lutz an der Oper Halle wird nicht verlängert. Das hat der Aufsichtsrat der Theater, Opern und Orchester GmbH Halle (TOOH) am letzten Freitagnachmittag entschieden. Unser Autor Thomas Pannicke war zuletzt ziemlich oft in der Nachbarstadt in der Oper. Und das, obwohl er eigentlich gar nicht wirklich musiktheater-affin ist. Was ihn angelockt hat, wollten wir von ihm wissen und was er zur aktuellen Entscheidung sagt. Und eine Opernpremiere gab es auch noch.

du elender, roher, widerwärtiger, lieber mensch!

In einer kleine Szene recht am Anfang fragt der Liliom die Julie, ob sie ihn denn lieb habe. „Nein“, bekommt er zur Antwort. Warum sie denn dann bei ihm bliebe, will er wissen. Die Antwort ist ein trotzig-trutziges „Halt so!“. Und ganz genauso-halt-so! wuppt Sascha Hawemann Molnars Kleine-Leute-Rummelplatz-Drama auf die Bühne des Bonner Schauspielhauses: Ohne Erklärungsversuche, ohne Urteil und Wertung, ohne Kirmeskitsch und Vorstadtbierseligkeit. Ein hartes und rohes So isses und dennoch oder deswegen eines voll Herz und Poesie. 

wer nur mit worten liebt, ist nicht mein freund

Leichtfüssig beginnt dieser Abend in der Box des Deutschen Theater Berlin. Lisa Hrdina und Jonas Sippel tanzen zunächst passend zu Another One Bites the Dust als Krähen auf dem staubigen Leichenacker. Hernach erzählen die beiden schrägen Galgenvögel fein launig erst einmal die ganze, tragische Vorgeschichte des antiken Dramas dieser Antigone. Falls wir die nicht mehr so ganz auf dem Schirm hatten …

le clûb lebt … wenzel banneyers latenight, jetzt @naumanns

Totgesagte leben länger: Le Clûb, das Schauspiel-Leipzig-Latenight-Format geht neue alte Wege und ist nach langer Pause im Leipziger Westen sozusagen wiederauferstanden. Ein langer Abend mit tollen Menschen, schrägen Typen, erstaunlichen Entdeckungen und einem Moderator mit Passierschein für die eine oder andere lässige Schmerzgrenzen-Überquerung.

delay am drehkreuz der geschichte(n) – philipp preuss & team gelingen bezwingende klangbilder in der diskothek

Der Blick in der dusteren Diskothek des Leipziger Schauspiel fällt zuallererst nach draußen, denn die Fenster sind an diesem Abend nicht verhangen. Auf dem Innenstadtring fahren am Sonntagabend einige wenige Autos und eine Straßenbahn vorbei, entfernt erkennt man ein paar einzelne Passanten. Der Theaterraum erweitert in die Stadt, schön, das fängt gut an. War da grad ein blauer Trabi? Doch schon holt uns der Hörsinn – und der wird an diesem Abend noch ganz wunderbar beschäftigt werden – wieder nach drinnen.