Leichtfüssig beginnt dieser Abend in der Box des Deutschen Theater Berlin. Lisa Hrdina und Jonas Sippel tanzen zunächst passend zu Another One Bites the Dust als Krähen auf dem staubigen Leichenacker. Hernach erzählen die beiden schrägen Galgenvögel fein launig erst einmal die ganze, tragische Vorgeschichte des antiken Dramas dieser Antigone. Falls wir die nicht mehr so ganz auf dem Schirm hatten …
wer nur mit worten liebt, ist nicht mein freund
le clûb lebt … wenzel banneyers latenight, jetzt @naumanns
Totgesagte leben länger: Le Clûb, das Schauspiel-Leipzig-Latenight-Format geht neue alte Wege und ist nach langer Pause im Leipziger Westen sozusagen wiederauferstanden. Ein langer Abend mit tollen Menschen, schrägen Typen, erstaunlichen Entdeckungen und einem Moderator mit Passierschein für die eine oder andere lässige Schmerzgrenzen-Überquerung.
delay am drehkreuz der geschichte(n) – philipp preuss & team gelingen bezwingende klangbilder in der diskothek
Der Blick in der dusteren Diskothek des Leipziger Schauspiel fällt zuallererst nach draußen, denn die Fenster sind an diesem Abend nicht verhangen. Auf dem Innenstadtring fahren am Sonntagabend einige wenige Autos und eine Straßenbahn vorbei, entfernt erkennt man ein paar einzelne Passanten. Der Theaterraum erweitert in die Stadt, schön, das fängt gut an. War da grad ein blauer Trabi? Doch schon holt uns der Hörsinn – und der wird an diesem Abend noch ganz wunderbar beschäftigt werden – wieder nach drinnen.
oper goes performance, europa nach afrika
Nach einer eher originalgetreuen Inszenierung der Meyerbeerschen Oper Anfang der Spielzeit folgt nun der zweite von vier Teilen bzw. Überschreibungen und dieser macht aus der Grand Opera einen anregenden Performance-Abend.
kalauer gegen den endsieg – petras kreuzt fallada und leipziger lokalgeschichte zum spaßigen widerstandspanorama
Das Hakenkreuz ist zum Hashtag mutiert und die Plakate – Think national! oder Rechts rules again – an den Wänden des Plattenbau-Häuserblocks, den Susanne Schuboth auf die Drehbühne gebaut hat, könnten gut und gern auch aus einer Brave New World stammen. Der Plattenbau selbst könnte wiederum auch in der DDR stehen – inklusive Stasispitzel im Hauseingang. Genauso funktionieren Kostüme und die restliche Ausstattung von Tintenfass und Silberbesteck bis Kassettenrekorder und Pferdebettwäsche – 1920er? 40er? Mitte 1980?: Sie verhindern bewusst eine eindeutige zeitliche Verortung.
kinokino: marie rathscheck ist das melancholische mädchen
Erster Kinofilm und gleich ein renommierter Preis: Das melancholische Mädchen mit Schauspiel-Leipzig Actrice Marie Rathscheck (Die Nachtigall, Wolfserwartungsland) in der titelgebenden Rolle hat am Wochenende den Max-Ophüls-Preis gewonnen, einen der wichtigsten Preise für den deutschen Nachwuchsfilm.
zwischen shakespeare, hitler und müller in der weimarer puppenstube
In der vergangenen Woche wäre Heiner Müller 90 geworden. Sicher ist es ein Zufall, dass ein paar Tage später seine Bearbeitung von Shakespeares Macbeth auf dem Spielplan des Deutschen Nationaltheaters Weimar stand, aber es ist ein schöner Zufall.
nichts zu machen? robert borgmann haut uns den beckett in frischen farben um die ohren
Dieses Schauspiel beginnt schon vor dem Beginn. Der Vorhang schließt und öffnet sich (er soll sich bis zum Ende noch mehrfach so un-ent-schlossen geben) und Samuel Simon aka Estragon schwebt über die Bühne und spricht die ersten Worte wie ein Mantra in den Saal: